"Es war einmal ein Konflikt" - Chronik eines georgisch-abchasischen Projekts

Teilnehmende des Georgisch-abchasischen Projekts "Once upon a conflict: Arts for confidence building".

Seit Dezember 2013 führt das Regionalbüro von DVV International in Georgien das Versöhnungsprojekt “Once upon a conflict: Arts for confidence building” (“Es war einmal ein Konflikt: Kunst für Vertrauensbildung”) durch. Das Projekt will Vertrauen zwischen jungen Künstlern und Lehrern aus Georgien und den strittigen Gebieten Abchasiens schaffen. Dabei stützt es sich auf künstlerische Methoden und kreative Techniken.

Im Mittelpunkt des Projekts steht die Stärkung des Team-Geists. Dies erfordert eine intensive Kommunikation, gegenseitiges Vertrauen und Verständnis. Im Dezember 2013 trafen sich 24 Teilnehmende aus Abchasien und Georgien für 12 Tage zu einem ersten Workshop in Hopa (Türkei). Auf dem Programm standen Storytelling, Scenario-Writing, Puzzle Tales, Methodik des Forum Theatre, Fotografie und die Produktion von gemeinsamen Kunstprojekten. Die Diskussionen und Trainings in Verbindung mit der Produktion von Kunstwerken machten den Workshop zu einem wirksamen Katalysator für Veränderungen. Und die Veränderung war unübersehbar: Am Ende waren selbst die Projektmitarbeiter nicht mehr in der Lage, zwischen den Teilnehmern aus den unterschiedlichen Gemeinden zu unterscheiden.

Nach dem Workshop führten die 24 Teilnehmenden eine Reihe von Schulungen für junge Menschen in den Städten Gali, Suchumi und Tiflis durch, um ihre Erfahrungen weiterzugeben. Parallel dazu entwickelten sie ein Szenario und produzierten Vorentwürfe für einen Animationsfilm. Innerhalb von fünf Monaten entstand durch gemeinsam entwickelte Ideen, Zeichnungen und Musik auf Facebook der Film “HugO”. In diesem Film geht es um Menschen, die vergessen hatten, wie man echte Gefühle mitteilt, und die ihr Leben wieder mit Farbe füllen, als sie beginnen, ihre Gefühle wieder zuzulassen.

Der zweite Workshop, der 19 Tage dauerte, fand im Sommer 2014 in Antalya und Istanbul statt. Die Teilnehmer entwickelten ein Bühnenstück über Liebe und Treue, das über 100 Zuschauer aus Deutschland, Russland, Polen, Kirgistan und Usbekistan anlockte. Die Teilnehmenden organisierten zudem eine Fotoausstellung in ihrem Hotel in Antalya. Mit dieser Ausstellung wurden zwei Ziele verfolgt: den Gästen des Hotels das Alltagsleben in Gali, Suchumi und Tiflis näher zu bringen und die Kunst eines jungen Malers aus Abchasien zu präsentieren. 

Dieser offene Event lockte Touristen aus vielen Teilen der Welt an. Die Teilnehmenden organisierten Flash Mobs in dem Hotel und auf den Straßen, in die auch andere Hotelgäste und Passanten einbezogen wurden. Darüber hinaus präsentierten die Teilnehmenden auf einer abendlichen Fashion Show selbst gestaltete Hüte und Kleider - sehr zur Freude der anwesenden Touristinnen. Und schließlich organisierte die Projektgruppe eine Reihe von Sportaktivitäten, bei denen gemischte abchasische und georgische Teams gegen Teams aus anderen Ländern antraten. 

Am Ende erwiesen sich die Teilnehmenden beider Volksgruppen als eine Gruppe, in der weder die Trennung durch Grenzen noch die Trennung durch Konflikte zählt, die ihnen künstlich aufgezwungen wurden. Es entwickelte sich vielmehr eine Gruppe von Personen, untrennbar verbunden durch die gemeinsamen und universellen Werte der Kunst, Frieden und Liebe.

Das Projekt “Once upon a conflict: Arts for confidence building” wird im Rahmen von COBERM (Confidence Building Early Response Mechanism) durchgeführt, einer gemeinsamen Initiative der Europäischen Union (EU) und des United Nations Development Program (UNDP). COBERM unterstützt konkrete Initiativen für die Vertrauensbildung innerhalb und zwischen durch Konflikte entzweiten Volksgruppen.

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