Oktober 2015

Perspektiven schaffen durch Bildungsangebote für Flüchtlinge

Weltweit sind 60 Millionen Menschen auf der Flucht – so viele wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Die internationale Entwicklungszusammenarbeit ist vor diesem Hintergrund in besonderem Maße gefordert.

Weltweit sind 60 Millionen Menschen auf der Flucht – so viele wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Sie fliehen vor Krieg, Gewalt, Armut, Perspektivlosigkeit und den Folgen des Klimawandels. Zwei Drittel von ihnen sind Binnenflüchtlinge. Wer ins Ausland flieht, wählt meist ein Nachbarland als Ziel. Auf den gefährlichen Weg in das nördliche Europa machen sich, global gesehen, vergleichsweise wenige Menschen.

Deutschland erwartet bis zum Jahresende eine Million Flüchtlinge und steht damit vor Herausforderungen in bisher unbekannten Dimensionen. Solche Herausforderungen treffen Aufnahmeländer weltweit, insbesondere Entwicklungsländer. Für viele dieser Länder bedeutet die Aufnahme von Flüchtlingen eine doppelte Herausforderung, denn sie haben selbst mit umfangreichen Problemen sozialer, wirtschaftlicher und struktureller Art zu kämpfen. Hier ist die internationale Entwicklungszusammenarbeit gefordert: in der Unterstützung der Aufnahmeländer, in der Krisenprävention und bei der Bekämpfung von Fluchtursachen in den Herkunftsländern.

Der Deutsche Volkshochschul-Verband e.V. stellt sich diesen Herausforderungen – national und international. Volkshochschulen bringen sich bundesweit als kommunale Zentren für Integration und interkulturelles Lernen führend in die Arbeit mit Flüchtlingen ein. International leistet der Verband strukturschaffende Bildungsarbeit für Flüchtlinge durch sein Institut für internationale Zusammenarbeit, DVV International. Wir verstehen Bildungsarbeit nicht nur als ein notwendiges Angebot in der Krise. Bildung leistet vielmehr einen wichtigen strukturellen Beitrag insgesamt, unterstützt Krisenprävention und hilft den Menschen in ihrer Heimat langfristig Perspektiven zu finden.

Das Menschenrecht auf Bildung sichern – auch im Kontext von Flucht und Vertreibung

Sind zunächst die humanitäre Hilfe sowie der Schutz der Menschenrechte von herausragender Bedeutung, so wird bald die weiter gefasste Lebenssituation wichtig für die Flüchtlinge: neue Kompetenzen in Bereichen wie Sprachen und beruflicher Bildung sind nötig, um Einkommensmöglichkeiten zu schaffen. Schulbesuch und Ausbildung der Kinder und Jugendlichen müssen gewährleistet werden. Begleitend muss in den Aufnahmeländern Raum für einen offenen gesellschaftlichen Dialog geschaffen werden, um Spannungen und Konflikten zwischen der einheimischen Bevölkerung und den Flüchtlingen entgegenzuwirken. Die Herkunftsländer müssen darin gestärkt werden, die Lebensbedingungen für ihre Bevölkerung zu verbessern, Zukunftsperspektiven zu schaffen, Konflikte gewaltfrei zu lösen und demokratische Entwicklungen zu fördern.

Bildungsangebote…

… unterstützen Flüchtlinge wirkungsvoll

In unseren Bildungszentren in den Aufnahmeländern bieten wir Maßnahmen sowohl für die Flüchtlinge als auch für die einheimische Bevölkerung an. Die Angebote umfassen Bereiche wie Spracherwerb, berufliche Bildung und psychosoziale Unterstützung. Zusätzlich bilden wir ehrenamtliche Kräfte aus, die die Arbeit unterstützen. Die Bildungszentren übernehmen eine wichtige soziale Rolle als Ort des Austauschs und der Begegnung, fördern Integration und beugen Konflikten zwischen Flüchtlingen und lokaler Bevölkerung vor.

Bereits seit 2013 unterstützt DVV International mehrere zivilgesellschaftliche Bildungszentren in Jordanien und der Türkei. In Armenien wurden Bildungsmaßnahmen und öffentliche WillkommensVeranstaltungen für die Neuankömmlinge aus Syrien durchgeführt. Vergleichbare Projekte für Flüchtlinge aus dem Südsudan sind in Uganda und Äthiopien in Planung.

… helfen Krisensituationen zu bewältigen

Krisen und Konfliktsituationen führen zu tiefgreifenden Erschütterungen der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Situation eines Landes und ziehen häufig eine starke Binnenmigration nach sich. Bildungsarbeit trägt durch Förderung Einkommen schaffender Maßnahmen und beruflicher Qualifizierung von Binnenflüchtlingen zur Stabilisierung bei und gibt Beschäftigungs- und Wachstumsimpulse. Ein weiteres Beispiel unserer Arbeit sind Mediations- und Konfliktlösungstrainings für lokale Führungspersonen aus Zivilgesellschaft und Kommunalverwaltungen. Die Trainings werden erfolgreich als Instrumente zur Bewältigung angespannter Situationen eingesetzt.

In der Ukraine führt DVV International ein Projekt zur Konfliktprävention durch. In Georgien werden den Binnenvertriebenen durch unsere Aus- und Weiterbildungsangebote wirksame Instrumente zur Einkommenssteigerung und zur verbesserten Teilhabe an der Gesellschaft zur Verfügung gestellt. In Mali haben wir in den Norden zurückkehrende Binnenflüchtlinge bei der Existenzgründung unterstützt.

… bekämpfen Fluchtursachen

Unsere parteipolitisch und religiös unabhängigen Erwachsenenbildungszentren leisten vor Ort einen Beitrag zur Prävention von Radikalisierung, regen zu kritischem Denken an, unterstützen die lokale Entwicklung und verschaffen benachteiligten Bevölkerungsgruppen Zugang zu Bildung mit Angeboten zu Grundbildung und der beruflichen Bildung. Für viele Menschen sind diese Angebote eine erste Chance auf Perspektiven im eigenen Land.

In Afghanistan hat DVV International gemeinsam mit dem Erwachsenenbildungsverband ANAFAE landesweit rund 25 Erwachsenenbildungszentren aufgebaut, die Grundbildung und berufliche Bildung insbesondere für benachteiligte Bevölkerungsgruppen anbieten.

Marokko wie auch Tunesien rücken als Herkunfts- und Transitländer für Flüchtlinge nach Europa zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit. DVV International fördert in Marokko den Aufbau städtischer und ländlicher Erwachsenenbildungszentren. Vergleichbare Zentren sollen auch in Tunesien aufgebaut werden.

Auf dem Westbalkan erhalten vor allem benachteiligte Bevölkerungsgruppen Zugang zu Angeboten beruflicher Bildung, Konfliktmanagement, politischer Bildung und Einkommen schaffender Maßnahmen, die ihnen eine Zukunft mit einer besseren wirtschaftlichen Basis im eigenen Land eröffnen können.

… fördern Verständnis in Deutschland

Die entwicklungspolitische Informations- und Bildungsarbeit der Volkshochschulen wird über das Projekt „Globales Lernen in der VHS“ gefördert. So trägt DVV International dazu bei, die Erfahrungen der Auslandsarbeit für die Arbeit in Deutschland nutzbar zu machen – und umgekehrt. Bürgerinnen und Bürger werden über globale Hintergründe von Flucht informiert, entdecken globale Themen und Zusammenhänge für sich und ihre eigenen Lebensrealitäten und entwickeln eigene Handlungsoptionen.

Das Positionspapier findet sich hier als PDF zum Download: Perspektiven schaffen durch Bildungsangebote für Flüchtlinge

Volkshochschulen, die im Rahmen des Globalen Lernens rund um den Themenkomplex Flucht und Migration Veranstaltungen planen, finden hier weitere Informationen: „Globales Lernen in der VHS“ und Fördermöglichkeiten zum Themenkomplex Flucht und Migration

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