Eindrücke von der 5. "Adult Education and Development Conference" in Tiflis

Die Konferenztaschen wurden im Erwachsenenbildungszentrum Koda angefertigt

Das längste Glied in der Kette hat noch zu wenig Gewicht: Angesichts der langen Spanne des Erwachsenendaseins im Leben verdient die Erwachsenenbildung sehr viel mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung. Das ist eine der Botschaften, die die 5. Internationale „Adult Education and Development Conference“ von DVV International aussendet, die vom 11. bis 12. Oktober in Tiflis und damit erstmals außerhalb Deutschlands stattfand. Anwesend waren über 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 36 Ländern.

Das längste Glied in der Kette hat noch zu wenig Gewicht: Angesichts der langen Spanne des Erwachsenendaseins im Leben verdient die Erwachsenenbildung sehr viel mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung. Das ist eine der Botschaften, die die 5. Internationale „Adult Education and Development Conference“ von DVV International aussendet, die vom 11. bis 12. Oktober in Tiflis und damit erstmals außerhalb Deutschlands stattfand. Anwesend waren über 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 36 Ländern.

Es begann mit einer gewollten Irritation: Die aus Nah und Fern angereisten Gäste betraten den Konferenzraum des Courtyard Marriott Hotels und sahen sich einer ungewohnten Stuhlanordnung gegenüber. Statt in Reih und Glied und zu einem Redepult hin ausgerichtet, umschloss der Großteil der Sitzgelegenheiten in einem großen Viereck zwei innere Stuhlkreise, von denen der im Zentrum vier Hauptrednern und der drum herum zwölf weiteren Inputgebern Platz bot. Schon durch die äußere Form sollte Anstoß gegeben werden zu möglichst lebhaften Diskussionen, zu einem Austausch, bei dem das gegenseitige aufeinander Eingehen und voneinander Lernen im Vordergrund stehen sollte und weniger der einseitige, unkommentierte Vortrag. Und tatsächlich: Während aller drei Panels, die sich an zwei Konferenztagen jeweils den Themenblöcken „Öffentliche Verantwortung für Jugend- und Erwachsenenbildung“, „Erwachsenenbildungszentren als tragende gesellschaftliche Strukturen“ und „Wirkungen von Erwachsenenbildungszentren“ widmeten, entspannen sich rege Diskussionen bei der gemeinsamen Suche nach Lösungen für die aktuellen Herausforderungen im Bereich der Erwachsenenbildung.

Als Kernproblem wurde bald ausgemacht, dass es fast immer bei mindestens einem der Elemente der für die Erwachsenenbildung so zentralen „Triangel“ aus Politik, Gesetzgebung und Finanzierung hapert. Und dass vor allem die Letztgenannte allzu oft unzureichend ist: Noch immer fließt nur etwa ein Prozent des weltweiten Bildungsbudgets in die Erwachsenenbildung. Viele Konferenzteilnehmer/innen forderten daher ein stärkeres finanzielles Engagement von staatlicher Seite ein und betonten die öffentliche Verantwortung, vor allem auch für den Aufbau und Bestand von Erwachsenenbildungszentren.

Wie Geber möglicherweise zu überzeugen sind, dafür gab es aus Laos ein anschauliches Beispiel. Vor den Augen der Konferenzteilnehmer/innen schwenkte Uwe Gartenschlaeger, DVV International-Regionalleiter für Südostasien, eine bunte Kette aus dicken Holzperlen in unterschiedlichen Farben. Auffällig dabei: Die Farben waren nicht gleichmäßig auf die Anzahl der Kugeln verteilt, gleichfarbige Kugeln waren nebeneinander angeordnet. Diese Kette mit ihren Perlen stehe symbolisch für verschiedene Lebens- und eben auch Bildungsphasen, so Gartenschlaeger. Wenige Kugeln für Baby- und Kleinkindalter mit Krippe und Kindergarten, ein paar mehr fürs Schulalter und dann vielleicht noch die ein oder andere Kugel für Ausbildung oder Studium. Blieben noch jede Menge einheitlich eingefärbte Kugeln übrig: Die lange Spanne des Erwachsenendaseins, die den größten Teil der Lebenszeit einnimmt und innerhalb derer Bildung nicht weniger wichtig ist. Diese Kette nehme er immer mit zu Terminen mit potentiellen Geldgebern, ließ Gartenschlaeger sein Publikum wissen und verteilte gleich darauf an alle Anwesenden weitere Ketten, sie auffordernd, dieses wirkungsvolle Instrument der Lobbyarbeit in ihren Ländern ebenfalls anzuwenden.

Kreative praktische Ansätze gab es auch zu der Frage, wie man gerade besonders benachteiligten Zielgruppen Zugang zur Bildung verschafft. Im Zweifelsfall müsse man auf diese zugehen, statt in den Zentren vergebens auf sie zu warten, sagte Bernd Müller, Leiter der Volkshochschule Neukölln, und berichtete von dem in seinem Berliner Stadtteil sehr erfolgreichen Modell, Räume in einem Einkaufszentrum anzumieten und so einen besonders niederschwelligen, in den Alltag integrierten Zugang zur Erwachsenenbildung zu schaffen. Gleichzeitig betonte Müller auch die bedeutende Rolle, die die deutschen Volkshochschulen mit ihren zahlreichen Sprach- und Trainingskursen bei der Bewältigung der „Flüchtlingskrise“ spielten. Das sei ohnehin ein grundlegender Vorteil von Erwachsenenbildungszentren, den es zu nutzen gelte: Sie könnten vergleichsweise flexibel und schnell auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen reagieren und auf die jeweilige Situation abgestimmte Angebote machen.

Bezogen auf die aktuelle Situation im Gastgeberland Georgien sagte Lika Kutelia als Vertreterin des Georgischen Erwachsenenbildungsnetzwerks GAEN, sie sehe den fehlenden Einfluss auf die Bildungspolitik ihres Landes momentan als Hauptherausforderung, bezog sich also auf ein weiteres Triangel-Element. Es müsse darum gehen, die Lobbyarbeit weiter zu intensivieren, um non-formale Bildung stärker auf die politische Agenda zu bringen. In dieser Hinsicht war der kurze Auftritt des (inzwischen Ex-)Bildungsministers Aleksandre Jejelava vielleicht ein kleiner Grund zur Hoffnung. In seinem Grußwort an die Konferenzteilnehmer/innen betonte er, wie vergleichsweise hoch der Bedarf an Arbeitskräften in den Bereichen Infrastruktur, Tourismus, Produktion und Exportentwicklung sei. Er sehe den Wert von Erwachsenenbildungszentren vor allem auch darin, Menschen mit akademischem Hintergrund in praktischen Fertigkeiten zu schulen, die sie bräuchten, um in den eben genannten Bereichen zu arbeiten. Akademiker/innen in ihren eigentlichen Berufsfeldern würden dagegen viel weniger benötigt.

Solange es in Georgien von staatlicher Seite noch keine breite, strukturelle Unterstützung für die Belange der Erwachsenenbildung gibt, bleiben Arbeit und Einsatz von DVV International auch nach 15 Jahren noch unverzichtbar. In dieser Zeit hat DVV International insgesamt zehn Zentren in sieben unterschiedlichen Regionen des Landes gegründet. Ein Anlass zum Feiern, der vom georgischen Gastgeberteam und den angereisten Erwachsenenbildungsexpertinnen und –experten im Anschluss an die Verabschiedung der Key Messages und das Ende der Konferenz gerne wahrgenommen wurde.

 

Die Autorin

Insea Kiderlen ist Projektassistentin im Regionalbüro von DVV International in Tiflis, Georgien.

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