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Mali: Erwachsenenbildung verbessert Ernährungssicherheit

Die Formel klingt fast zu simpel, doch sie funktioniert - zumindest in Mali: Grundbildung + landwirtschaftliche Weiterbildung = mehrfache Ernte. Ein Blick auf malische Felder.

Das Regionalprogramm von DVV International Westafrika ist in Guinea und Mali aktiv. Dort kombinieren wir die Alphabetisierung der Landbevölkerung mit der Vermittlung praktischer landwirtschaftlicher Kenntnisse. In beiden Staaten lebt die Mehrheit der Bevölkerung auf dem Land, meist vom Ertrag kleinbäuerlicher Landwirtschaft. Ernährungssicherheit ist erreichbar, dennoch kommt es oft zu Engpässen. Probleme entstehen unter anderem durch das Bevölkerungswachstum, den Klimawandel, zu geringe Bildung der Menschen auf dem Land und den Mangel an Möglichkeiten, landwirtschaftliche Fachkenntnisse zu erwerben.

Alljährlich wächst die Bevölkerung in Guinea und Mali um rund 3%. Frauen haben immer noch unzureichenden Zugang zu Bildung und Beratungsangeboten für eine selbstbestimmte Familienplanung. Der globale Klimawandel sowie regional entstehende Mikroklimaveränderungen durch Abholzung und Erosion in den guineischen Quellgebieten des Niger und in der gesamten Region erschweren es zusätzlich, immer mehr Menschen mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Der Bildungsstand der lokalen Bevölkerung ist absolut mangelhaft:  80% der Frauen und 60% der Männer sind Analphabeten. Dies führt zu fehlendem oder begrenztem Wissen und Verständnis hinsichtlich drängender zukunftsrelevanter Fragen wie Umweltschutz, nachhaltiger Energieversorgung und Nutzung ländlicher Ressourcen.

Ländliche Entwicklung verringert die Abwanderung

Die produktive ländliche Bevölkerung hat außerdem kaum die Möglichkeit, speziell auf die Landwirtschaft bezogenes Fachwissen zu erwerben. Daher ist die Agrarproduktion nicht ausreichend produktiv und die Produktpalette nicht so vielfältig, wie es zu wünschen wäre. Auch die professionelle Lagerung, Weiterverarbeitung und Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte ist bisher nicht in ausreichendem Maße möglich. In Guinea und Mali leben rund 25 Millionen Menschen auf dem Land. Für die Regierungen und ihre Partner ist es eine entwicklungspolitische Priorität ersten Ranges, sie dabei zu unterstützen, in ihrem Umfeld zu überleben und einen akzeptablen Lebensstandard zu erreichen. Gelingt die ländliche Entwicklung, wandern auch weniger Menschen in die überforderten Städte und ins Ausland ab.

Vor zwei Jahren startete das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) seine globale Sonderinitiative „Eine Welt ohne Hunger“. Auf Anfrage des BMZ präsentierte das Westafrikaprogramm von DVV International eine Reihe praktischer Vorschläge, wie die Initiative zum Erfolg führen kann. Wir sahen eine gute Gelegenheit, an die schon seit Jahren laufenden Aktivitäten anzuknüpfen, gesammelte Erfahrungen anzuwenden und mit unseren Aktivitäten noch mehr Menschen in den ländlichen Regionen zu erreichen. Darüber hinaus sahen wir die Chance, einen bereits eingeleiteten Prozess zu verstärken, der dazu führen soll, dass lebenslanges Lernen künftig in lokalen Einrichtungen möglich wird.

Die erste Ernte übertraf alle Erwartungen

Unter dem Dach der Sonderinitiative „Eine Welt ohne Hunger“ kann DVV International zeigen, wie wichtig lebenslanges Lernen und die Bildung für Jugendliche und Erwachsene auch für die landwirtschaftliche Entwicklung ist. Im Rahmen des Programms für „grüne Innovationszentren“ der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) lernen lokale Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, wie die landwirtschaftliche Produktivität in den Dörfern und damit auch die Einkommen und die Lebensverhältnisse insgesamt verbessert werden können. Zu diesen wirtschaftlichen Programmpunkten kommt als zweites Schlüsselelement die Alphabetisierung der Dorfbevölkerung: Wer lesen und schreiben kann, ist auch eher in der Lage, Neuerungen annehmen und umsetzen, die am Ende die Ernährungssicherheit steigern. Die knapp über 600 Lernenden, zu 78% Frauen, können nach ihrer Qualifizierung Kooperativen gründen, Kleinkredite aufnehmen oder neue Vermarktungswege erschließen.

Durch die Perspektive, mittels funktionaler Alphabetisierung auch umgehend die allgemeinen Lebensverhältnisse verbessern zu können, sind die angebotenen Kurse so populär, dass die Kapazität mit Hilfe von BMZ und GIZ mehr als verdoppelt wurde. Weitere 2.000 Menschen, zu 85 % Frauen, nehmen zwar nicht an den Alphabetisierungsmaßnahmen teil, aber an den Einkommen schaffenden Maßnahmen des Projektes. Nach erst einem Jahr praktischer Arbeiten im Klassenraum und auf dem Feld sind wir selbst positiv überrascht von den enormen Produktivitätssteigerungen: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben, unterstützt von den landwirtschaftlich versierten Beraterinnen und Beratern von DVV International und GIZ, ihre Ernten mehr als verdreifacht.

Lokale Modelleinrichtungen zeigen, wie lebenslanges Lernen funktionieren kann

Die Herausforderung besteht nun darin, die Erfolge zu bewahren und dauerhaft Strukturen zu schaffen, die auch kommenden Generationen lebenslanges Lernen ermöglichen. Diesen Aspekt greift ein bereits bestehendes und grenzüberschreitendes Konzept zur lokalen Verankerung lebenslangen Lernens auf, das vom BMZ gefördert wird: Villages d‘apprentissage tout au long de la vie, kurz VITAL (auf Deutsch ungefähr: Dörfer des lebenslangen Lernens. Auch hier verbessern die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihr Bildungsniveau und steigern ihre Erträge. Hinzu kommt aber noch die Etablierung von lokalen Modelleinrichtungen für lebenslanges Lernen, an denen sich auch andere Dörfer, die Regierung und die Geberorganisationen orientieren können.

Um in den bäuerlichen Kleinbetreiben auch technische und betriebswirtschaftliche Fortschritte zu erzielen, sind gute Lehrkräfte, Materialien und Supervision nötig. Die Aus- und Weiterbildung qualifizierter Erwachsenenbildnerinnen und -bildner ist daher auch in diesem Kontext eine wichtige Komponente. Projektansätze, die auf den ersten Blick allzu technisch erscheinen mögen, fügen sich so nahtlos in ein integriertes Konzept zur Förderung dauerhafter sozialer Strukturen ein.

 

 

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