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Gute Blogs verbinden Menschen

Knapp zwei Dutzend junge Frauen und Männer zwischen zwanzig und dreißig haben sich für eine Woche zu einem von DVV International organisierten Bloggerworkshop in Tiflis zusammengefunden. Unter der Überschrift „Young Bloggers from South Caucasus“ werden sie in die Künste des Bloggens eingeführt, um dann – mit dem nötigen fachlichen und technischen Know-how ausgestattet – einen eigenständigen Beitrag zu mehr Meinungsvielfalt in ihren Herkunftsländern leisten zu können.

Beim von DVV International organisierten trinationalen Bloggerprojekt stehen neben der fachlichen und technischen Schulung vor allem auch die persönlichen Begegnungen zwischen den jungen Südkaukasiern im Vordergrund.

Dem eher rauen aber doch wohlklingenden Männergesang folgt das mit heller Stimme vorgetragene Solo einer jungen Frau. Beide Einlagen sind das Ergebnis spontaner Eingebung und werden mit einigem Applaus bedacht. „Azerbaijan – ten points!“, „Armenia – twelve points!“ tönt es begeistert durch den Bus, der sich gerade den Berg vom Mtatsminda Vergnügungspark zurück in die Stadt hinab quält. Da lässt sich auch ein georgischer Vertreter nicht lumpen und tritt in den scherzhaften Sangeswettstreit mit ein.

Es ist einer der wenigen Momente, in denen sich die Gesamtgruppe spielerisch in ihre Länderfraktionen teilt. Während der übrigen Zeit mischen sich die TeilnehmerInnen aus den drei Staaten des Südkaukasus mit einer Selbstverständlichkeit untereinander, die einen die gestörten, ja feindlichen Beziehungen ihrer Herkunftsländer vergessen lässt. Da wird mit Wasser gespritzt, geflachst und nonstop das Fotohandy für gemeinsame Erinnerungen gezückt. Und: Eine Georgierin erfährt, dass ihr Name auf Aseri „Tiger“ bedeutet, was sie bisher nicht ahnte.

Knapp zwei Dutzend junge Frauen und Männer zwischen zwanzig und dreißig haben sich Ende Juli 2015 für eine Woche zu einem von DVV International organisierten Bloggerworkshop in Tiflis zusammengefunden. Unter der Überschrift „Young Bloggers from South Caucasus“ werden sie in die Künste des Bloggens eingeführt, um dann – mit dem nötigen fachlichen und technischen Know-how ausgestattet – einen eigenständigen Beitrag zu mehr Meinungsvielfalt in ihren Herkunftsländern leisten zu können. Das vom Auswärtigen Amt geförderte Projekt sieht neben dem ersten Workshop, in dem vor allem Grundlagen vermittelt werden, noch ein weiteres siebentägiges Seminar vor, in dessen Rahmen Blogbeiträge diskutiert, Kenntnisse vertieft und drei Gewinner-Blogger gekürt werden sollen. Die erfolgreichen Drei aus Georgien, Armenien und Aserbaidschan reisen dann im Dezember für ein verlängertes Wochenende nach Deutschland, um dort auf weitere professionelle Blogger zu treffen, die zum Austausch bereitstehen.

Eine deutsche Bloggerin indes kennen die jungen Südkaukasier schon: Anna Meyer, von DVV International als Expertin engagiert und mit eigenem, erfolgreichen Blog im Umweltbereich, leitet den ersten Workshop und wird auch bei seiner Fortsetzung im November wieder mit dabei sein. Von DVV International angefragt, hat sie nicht lange gezögert, in das Projekt einzusteigen und ist von dessen Wichtigkeit überzeugt. „Über die Einladung in den Kaukasus habe ich mich riesig gefreut! Ich glaube fest daran, dass Blogger in den schwierigen Strukturen dieser Region einen wertvollen Beitrag leisten können. Gute Blogs verbinden Menschen – unabhängig davon welche politischen Konflikte bestehen", bekundet sie ihre ehrliche Begeisterung für das Anliegen des Projektes und ergänzt: „Kommunikationsangebote sind das, was eine Region braucht, in der Vorurteile und festgefahrene politische Positionen prägend sind." Unterstützt wird sie bei ihrer Mission von anerkannten Bloggern aus den Teilnehmerländern, die jeweils Einzelsitzungen zu bestimmten Themen wie „Blogger’s Toolbox“, „How to find your niche“ oder „Writing quality content“ abhalten. In eine andere als die fachliche Richtung zielen dagegen die kurzgehaltenen „Morning Speeches“ von Aktivisten, die die Teilnehmer zum politischen Bloggen motivieren sollen. Da werden die aufmerksam lauschenden ZuhörerInnen schon mal mit wild fuchtelnden Händen darauf eingeschworen, sich als bloggende Bürger aktiv einzumischen. Dass sie dazu gewillt sind, zeigen die rege Beteiligung am Workshopgeschehen und die vielen Wortbeiträge bei den Diskussionen. Am engagiertesten wirken die TeilnehmerInnen, wenn sie selbst praktisch tätig werden und ihre eigenen Ideen umsetzen können. Die parallel zum Workshop entstehende „Story“, die stetig mit Texten, Fotos und Videos gefüttert wird, kommt deswegen auch besonders gut an.
 

Die Teilnehmenden des Bloggerprojekts in Tiflis

Die Geschichte des gesamten Projektes, aber auch die Geschichte der persönlichen Begegnungen zwischen den jungen Menschen aus einander fremd gewordenen Ländern, die im Rahmen dieses Bloggerprojektes möglich werden und so trügerisch einfach wirken, wird im November und Dezember fortgeschrieben werden. Wie froh die Teilnehmer über diese Fortsetzung sind, macht eine überschwängliche Einzelstimme aus der Gruppe stellvertretend deutlich: „Ich bin so angefüllt mit Emotionen. Zum Glück ist das noch nicht das Ende und wir sehen uns alle im November wieder!“ ist auf einem der Feedbackbögen zu lesen.

Das gute Gruppenklima ist auch Anna Meyer nicht verborgen geblieben. Sie sieht darin die eigentliche Grundlage für den Erfolg des Projektes: „Während des Workshops gab es nichts, was die Teilnehmer hätte trennen können. Wenn sie diese Erfahrung in ihre Regionen tragen und über ihre Blogs einer großen Leserzahl zugänglich machen, ist unser Projektziel erreicht" zeigt sie sich überzeugt. Ein erster Schritt ist gemacht, die Fortsetzung folgt im November. Vielleicht wird dann ja statt mit Wasser gespritzt, spielerisch mit Schnee geworfen – während sich gleichzeitig die Beiträge der neugeschaffenen Blogs im Schneeballprinzip weiter verbreiten.

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