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Bildung in kommunaler Trägerschaft – eine neue Entwicklungsoption in Mali tut sich auf

Auch wenn der Prozess zögerlich und manchmal mit Rückschlägen verläuft: Mali dezentralisiert sich. Die Zuständigkeit für Grundbildung ist bereits formal an die Kommunen übergegangen. Immer noch gehen aber viele Kinder – vor allem Mädchen – nicht zur Schule, brechen vorzeitig ab und/oder verlassen die Schule mit völlig unzureichenden Kenntnissen. Auf dem Land haben 80 Prozent der Frauen und 60 Prozent der Männer über 15 nicht einmal Lesen und Schreiben gelernt. Auch fehlt der Zugang zu einer beruflichen Bildung, die über die informelle Wissensvermittlung, zum Beispiel im Kreise der Familie, hinausgeht. Der Zugang zu non-formalen Bildungsmöglichkeiten ist der einzige Weg, wichtige, ja zum Teil sogar überlebensnotwendige Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln. Dies muss dezentral und in den lokalen Sprachen geschehen.

Auch wenn der Prozess zögerlich und manchmal mit Rückschlägen verläuft: Mali dezentralisiert sich. Die Zuständigkeit für Grundbildung ist bereits formal an die Kommunen übergegangen. Immer noch gehen aber viele Kinder – vor allem Mädchen – nicht zur Schule, brechen vorzeitig ab und/oder verlassen die Schule mit völlig unzureichenden Kenntnissen. Auf dem Land haben 80 Prozent der Frauen und 60 Prozent der Männer über 15 nicht einmal Lesen und Schreiben gelernt. Auch fehlt der Zugang zu einer beruflichen Bildung, die über die informelle Wissensvermittlung, zum Beispiel im Kreise der Familie, hinausgeht. Der Zugang zu non-formalen Bildungsmöglichkeiten ist der einzige Weg, wichtige, ja zum Teil sogar überlebensnotwendige Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln. Dies muss dezentral und in den lokalen Sprachen geschehen.

Die Mittel sind da, doch es fehlt an Konzepten und Personal

Über das entsprechende Mandat verfügen die malischen Kommunen bereits. Sie können die Einrichtung und den Betrieb kommunaler Bildungszentren in ihre jährlichen Entwicklungspläne aufnehmen und zur Finanzierung Mittel aus dem Staatsbudget erhalten. In der Realität können viele Gemeinden solche Mechanismen jedoch kaum nutzen. Manchmal können sogar die Bürgermeister nicht lesen und schreiben, und der laufende Betrieb eines Bildungszentrums ist eine Herausforderung an die fachlichen und die organisatorischen Kompetenzen aller Beteiligten.

Viele in den achziger und neunziger Jahren mit Unterstützung meist ausländischer Nichtregierungsorganisationen initiierten Bildungszentren sind daher heute „Entwicklungsruinen“: Gut gemeint, aber es fehlten Finanzierungs- und Managementkonzepte und kompetentes Personal vor Ort. Hier setzt die Arbeit von DVV International an. Im Rahmen des Dezentralisierungsprogramms PADRE (Programme d’Appui à la Décentralisation et à la Réforme de l’Etat) kooperiert DVV International mit der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ), um Zugang zu Lebenslangem Lernen für alle als kommunale Aufgabe zu begreifen und auch praktisch zu realisieren. Hierbei gewinnen potentiell nachhaltige, lokal verankerte, nahe an den Bedürfnissen der dortigen Bevölkerung agierende Strukturen an Gewicht, die auch dann funktionsfähig bleiben, wenn sich die Sicherheitslage und der politische Kontext fragil bis turbulent präsentieren.

DVV International begleitet mit praktischen Hilfestellungen

Die praktischen Aktivitäten von DVV International, um lokal verankerte Initiativen für kommunale Bildungszentren zu fördern, umfassen

  • Beratung bei der Erhebung des Bedarfs an (Weiter)bildung in der jeweiligen Kommune und deren Umgebung;
  • Qualifizierung der Träger und des verfügbaren Personals, um die sozio-ökonomischen und sozio-kulturellen Entwicklungspotentiale in der Kommune zu heben
  • Erarbeiten bedarfsgerechter Bildungsangebote, die für die Zielgruppen und die Entwicklung der Kommune nützlich sind;
  • Stärkung der Managementkompetenz der beteiligten Akteure;
  • Professionalisierung der Lehrkräfte. Die Qualifizierung von Personal in der Jugend- und Erwachsenenbildung birgt ein beschäftigungswirksames Potenzial. Effekte können mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln erzielt werden, die unter anderem auch dem Migrationsdruck entgegenwirken;
  • Unterstützung beim Aufbau der baulichen und technischen Infrastruktur. DVV International legt auch Wert auf Anschlussfähigkeit zur digitalen Welt: Jedes Zentrum sollte über mit Beratung verknüpfte Zugangsmöglichkeiten und autonome Stromversorgung – meist Solarmodule – verfügen;
  • Verknüpfung der Arbeit mit den Beratungskapazitäten anderer Sektoren, zum Beispiel in den Bereichen Landwirtschaft, Ressourcenschutz, Nutzung regenerativer Energien, Entwicklung lokaler Wirtschaftskreisläufe auch über lokale Transportwege, Vermarktungsstrukturen, Zugang zu Kleinkrediten.

Hier gibt es viel Potentiale um Erwachsenenbildung interdisziplinär und über traditionelle Ressortgrenzen hinaus anzulegen. Somit werden kommunale Bildungszentren veritable Entwicklungsmotoren für ihr jeweiliges Umfeld.

Mit dem Netzwerk wächst die Professionalisierung

Durch direkte Kooperationen mit Kommunen und über drittmittelfinanzierte Projekte ist DVV International bereits in die Arbeit mit rund 20 volkshochschulähnlichen Initiativen eingebunden - Tendenz steigend. Ein weiteres geplantes Projekt in der Mitte des Landes könnte zum Aufbau von bis zu zehn weiterer Einrichtungen führen. Auch der Staat selbst fördert eine Reihe kommunaler Bildungszentren mit unterschiedlichen Schwerpunkten (zum Beispiel grenzüberschreitend oder auf Bildungsarbeit für Frauen spezialisiert). Zudem haben viele Nichtregierungsorganisationen unterschiedlichster Provenienz an verschiedenen Standorten lokale Bildungszentren aufgebaut. Die Vernetzung der so schon bald bis zu 100 Initiativen kann zusätzliche neue Perspektiven erschließen: So könnte zukünftig über ein solches Netzwerk aktiver Bildungszentren die Weiterbildung von Personal und die Trägerberatung in Hinblick auf die institutionelle Absicherung und die finanzielle Tragfähigkeit der Einrichtungen geleistet werden. Ebenso wie die Interessenvertretung der kommunalen Bildungsarbeit gegenüber dem Zentralstaat und den einschlägigen Geldgebern.

Die DVV-Landesverbände und der Gesamtverband können in diesem Zusammenhang wertvolle Erfahrungen beisteuern. Aber auch in der Praxis von DVV International gibt es Lernerfahrung von Netzwerken volkshochschulähnlicher Strukturen (zum Beispiel in Bolivien und Peru). Hier können gegenseitige Austausch- und Beratungsprozesse die kommunalen Bildungszentren in Mali bei ihrer Professionalisierung unterstützen. Der Rat kommt hier von ausgewiesenen Praktikerinnen und Praktikern, was erfahrungsgemäß gut ankommt und zu praktisch erprobten und durchführbaren Weiterentwicklungen führt. Vielleicht kann die einst vom damaligen malischen Präsidenten Alpha Omar Konaré ausgegebene Devise, dass jede Kommune neben einer Schule auch über ein für Erwachsene zugängliches Bildungszentrum verfügen sollte, so doch noch Wirklichkeit werden.

Der Autor

Gerhard Quincke ist Regionalreferent Westafrika und Nordafrika bei DVV International.

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