Bildung ist zentrale Voraussetzung für die Erreichung aller Nachhaltigkeitsziele

Erwachsenenbildung liefert unter Einbindung einer starken Zivilgesellschaft enorm wichtige Beiträge und Lösungsansätze in vielen Entwicklungsfragen, insbesondere für benachteiligte Menschen in entlegeneren Gegenden. Die grundsätzliche Herausforderung besteht darin, diesen Zusammenhang evidenzbasiert aufzuarbeiten und zielgerichtet zu kommunizieren – weit über die Erwachsenenbildungsszene hinaus.

Die Diskussion um globale Entwicklung hat mit der Verabschiedung der Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) eine neue Dimension erreicht. Die Ziele gelten nun für alle Staaten und nicht mehr ausschließlich für Entwicklungs- und Schwellenländer. Auch der Aktionsradius für den Bildungsbereich wird deutlich erweitert. Ziel 4 der Agenda stellt das Lebenslange Lernen in den Mittelpunkt. Dies umfasst auch die (non-formale) Erwachsenenbildung, die implizit in mehreren Unterzielen enthalten ist. Die Erwachsenenbildung erfährt entsprechend mehr Aufmerksamkeit, wenn es darum geht, die Unterziele in den Bereichen Alphabetisierung, Geschlechtergerechtigkeit, berufliche Kompetenzvermittlung und Bildung für nachhaltige Entwicklung zu erreichen.

Bildung ist zentrale Voraussetzung für die Erreichung aller Nachhaltigkeitsziele. Dies gilt insbesondere auch für non-formale Qualifizierungs- und Bildungsmaßnahmen. Das holistische Bildungsverständnis der Agenda 2030 verschafft somit der Erwachsenenbildung ein potentiell breiteres Spielfeld. Erwachsenenbildung und Entwicklung rücken näher zusammen. Die SDGs geben der (Erwachsenen-) Bildung die einzigartige Gelegenheit, sich besser zu positionieren – sowohl innerhalb des Bildungssektors als auch im Rahmen der gesamten Entwicklungsagenda. Der intersektorale Ansatz des dritten Erwachsenenbildungsberichts (Third Global Report on Adult Learning and Education - GRALE III) geht einen wichtigen Schritt in diese Richtung. Er zeigt auf, welche Beiträge Erwachsenenbildung zu anderen Entwicklungsfeldern wie Gesundheit, Beschäftigung und dem Gemeinwesen leistet. In der aktuellen Debatte ist jedoch noch nicht genügend beleuchtet, wie integrative Ansätze gleichzeitig Bildung und andere Ziele der Agenda 2030 befördern können. Hierbei geht es nicht nur um Korrelation, sondern um direkte Interaktion, wenn z. B. Alphabetisierung mit beruflichen Qualifizierungen, einkommensschaffenden Maßnahmen oder der politischen Bildung verknüpft werden.

Erwachsenenbildung und Entwicklungsdebatten sind eng miteinander verknüpft. Dies verdeutlichen in beiden Feldern häufig genutzte Schlüsselbegriffe wie Armutsbekämpfung, Partizipation, gesellschaftliche Teilhabe und Demokratieförderung, Geschlechter-gerechtigkeit, Gesundheitsförderung, Konfliktprävention, Nachhaltigkeit und Förderung einer breitenwirksamen sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung. Und in Tat liefert die Erwachsenenbildung unter Einbindung einer starken Zivilgesellschaft enorm wichtige Beiträge und Lösungsansätze in vielen Entwicklungsfragen, insbesondere für benachteiligte Menschen in entlegeneren Gegenden. Die grundsätzliche Herausforderung besteht darin, diesen Zusammenhang evidenzbasiert aufzuarbeiten und zielgerichtet zu kommunizieren – weit über die Erwachsenenbildungsszene hinaus.

Leistungsfähigkeit und Relevanz der Erwachsenenbildung sind unbestritten. In der heutigen Zeit bedarf es jedoch konkreter Nachweise, sowohl in Form messbarer kurzfristiger Ergebnisse als auch in Form langfristiger Wirkungen. Hierbei muss es gelingen, trotz diverser Betätigungsfelder und regionaler Unterschiede zentrale Aspekte in den Mittelpunkt zu stellen. Es bedarf klar verständlicher Kernbotschaften und quantitativ unterlegter Aussagen, da diese bei Geldgebern und Regierungen einfacher Gehör finden. Die Erfassung von validen Daten ist aufgrund der zahlreichen kleinen zivilgesellschaftlichen Akteure eine besondere Herausforderung. Ein Lösungsansatz kann in einer stärkeren Förderung von Netzwerken bestehen, um Ergebnisse systematischer erheben, aggregieren und kommunizieren zu können. Interdisziplinär angelegte Studien sollten genauer aufzeigen, welche Zusammenhänge zwischen Erwachsenenbildung und Entwicklung bestehen. Denn nur wenn es gelingt, das Potenzial der Erwachsenenbildung im Kontext der SDGs besser darzulegen, wird sie eine Chance haben, die Aufmerksamkeit und Finanzierung zu erhalten, die ihr zusteht.

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