Reaktion auf Corona-Pandemie

Die „neue Normalität“ gestalten – Die Rolle der Erwachsenenbildung bei der Bewältigung der Corona Pandemie

Gesellschaften weltweit leiden unter den Auswirkungen des Coronavirus (COVID-19). Die Menschen werden in ihrem Alltag stark beeinträchtigt und machen sich Sorgen um die Konsequenzen für ihre Gesundheit, ihre Jobs und ihre Lebensqualität. Zu den am härtesten Betroffenen gehören Millionen von Armen, die ihr Einkommen verlieren, Frauen, die von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen sind, und Migranten, die unter wachsender Fremdenfeindlichkeit leiden. In fast allen Ländern weltweit mussten Anbieter der Jugend- und Erwachsenenbildung zeitweise ihre Türen schließen, mit dramatischen Auswirkungen für das institutionelle Überleben, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und nicht zuletzt die Lernenden. Gleichzeitig kann die Erwachsenenbildung (adult learning and education, ALE) einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung der Krise leisten, dringend benötigte Bildungsangebote zur Verfügung stellen und soziale Unterstützungsmaßnahmen zur Gestaltung der "neuen Normalität" leisten.

Als einzige Fachorganisation für Entwicklungszusammenarbeit und EB schlägt DVV International Konzepte vor, mit deren Hilfe ALE zur Bewältigung der Krise beitragen kann, insbesondere für benachteiligte Gesellschaftsgruppen. Gleichzeitig fordern wir Regierungen und internationale Akteure auf, staatliche, private und zivilgesellschaftliche ALE-Anbieter und ihre Beschäftigen mit den notwendigen Mitteln auszustatten, um die Situation besser bewältigen zu können und um den ALE-Sektor auch in der Zukunft zu sichern.

Die Potentiale der EB zur Bewältigung der Krise nutzen

ALE als Teil des Bildungssystems weist einige Spezifika auf, die in der gegenwärtigen Situation besonders hilfreich sein können. ALE-Angebote sind bedarfsorientiert, flexibel, zumeist non-formal, handlungsorientiert. Dadurch können ALE-Anbieter und -Angebote Menschen aktuell  in vielfacher Weise unterstützen, wie zum Beispiel durch Unterstützung der Eltern beim Heimunterricht oder durch die Bekämpfung von fake news über das Virus, indem allen Bevölkerungsgruppen eine zuverlässige Gesundheitserziehung angeboten wird.

Neue Angebote schaffen

Überall auf der Welt sind Präsenzkurse und Trainings zurzeit nicht möglich. In der Folge haben Teilnehmerinnen und Teilnehmer keine Möglichkeit mehr, wichtige Lernangebote zu nutzen. Daher müssen aktuell digitale Lernmöglichkeiten entwickelt werden. Dies beinhaltet die Investition in die digitale Infrastruktur, in den Aufbau von Kapazitäten insbesondere für Lehrerinnen und Lehrer und in die Entwicklung von neuen ALE-Programmen und Ansätzen.

Die nachhaltige Entwicklung der EB sichern

Für sehr viele, wenn nicht alle ALE-Anbieter, stellt die aktuelle Situation eine existentielle Krise dar. Durch fehlende Einnahmen (z.B. Teilnahmegebühren, vorübergehend eingestellte Projektgelder) stehen ALE-Anbieter und auch freiberufliches Lehrpersonal vor einer existentiellen wirtschaftlichen Herausforderung. Es ist an der öffentlichen Hand weltweit, das Überleben des ALE-Sektors zu sichern. Wie andere Sektoren innerhalb des Bildungssystems, benötigt auch ALE direkte finanzielle Unterstützung!

Räume und Möglichkeiten schaffen für die Gestaltung der Welt, wie wir sie uns vorstellen 

Die Pandemie hat mehrere Herausforderungen zum Vorschein gebracht, die unseren Gesellschaften bevorstehen: die mangelnde Widerstandsfähigkeit (resilience) vieler Gemeinschaften, die Auswirkungen sozialer Spaltungen, die Bedrohung durch den Klimawandel, die Risiken der Globalisierung - um nur einige zu nennen. ALE kann Jugendlichen und Erwachsenen Räume zum Nachdenken über Lösungen bieten und sie befähigen, zu einem positiven Wandel beizutragen.

Regierungen, Entwicklungspartner und internationale Organisationen können ALE vielfältig unterstützen:  

  • Partner und Netzwerke in ihren Bemühungen für ein besseres Verständnis von Bildung als öffentliches Gut unterstützen. ALE sollte als integraler Bestandteil des Bildungssystems anerkannt und finanziert werden.
  • ALE-Anbieter in ihren Bemühungen unterstützen, neue, bedarfsorientierte digitale Lernmöglichkeiten zu entwickeln, und sicherstellen, dass alle Lernenden die Möglichkeit haben, sie zu nutzen. Der digitale Zugang für alle sollte ein öffentliches Gut wie Wasser oder Elektrizität werden.
  • Bereitstellung flexibler, maßgeschneiderter Finanzierungsprogramme zum Schutz des institutionellen Überlebens und des Schlüsselpersonals entscheidender ALE-Anbieter und Netzwerke.

DVV International sieht seine Rolle darin, die Partner bei der Bewältigung der Folgen der Coronakrise bestmöglich zu unterstützen und bei der Entwicklung von ALE-Angeboten zu helfen, die bei der Krisenbewältigung helfen. Das Institut wird weiterhin in mehr als 30 Ländern vertreten sein und seine Expertise bei der Anpassung der ALE-Strukturen und -Dienste an neue Anforderungen nutzen. Die Corona-Pandemie ist eine globale Herausforderung, und wir sollten sicherstellen, dass auch die Reaktion darauf wahrhaftig global angelegt ist und auf eine "neue, nachhaltige Normalität" ausgerichtet ist, in der ALE in all ihren Dimensionen anerkannt ist.

(Update) Download deutsches Statement (PDF)

Das Statement auf weiteren Sprachen finden Sie auf der englischen Version unerer Website.

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