Reaktion auf Corona-Pandemie

Auf dieser Seite finden Sie die Stellungnahme von DVV International zur Rolle der Erwachsenenbildung bei der Bewältigung der Corona-Pandemie. Darüber hinaus zeigen wir anhand von praktischen Beispielen, wie unsere Kolleginnen und Kollegen sowie Partner auf die aktuelle Situation reagieren.  

Krisenreaktion – Die Rolle der Erwachsenenbildung bei der Bewältigung der Corona Pandemie

Gesellschaften weltweit leiden unter den Auswirkungen des Coronavirus‘ (COVID-19). Die Menschen werden in ihrem Alltag stark beeinträchtigt und machen sich Sorgen um die Konsequenzen für ihre Gesundheit, ihre Jobs und ihre Lebensqualität. In fast allen Ländern weltweit mussten Anbieter der Jugend- und Erwachsenbildung zeitweise ihre Türen schließen, mit dramatischen Auswirkungen für das institutionelle Überleben, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und nicht zuletzt die Lernenden. Gleichzeitig kann Erwachsenenbildung (EB) einen wichtigen Beitrag  zur Bewältigung der Krise leisten, dringend benötigte Bildungsangebote zur Verfügung stellen und gesellschaftliches Engagement unterstützen.

Als einzige Fachorganisation für Entwicklungszusammenarbeit und EB schlägt DVV International Konzepte vor, mit deren Hilfe die EB zur Bewältigung der Krise beitragen kann; durch die Bereitstellung sozialer und Bildungsdienstleistungen, insbesondere für benachteiligte Bevölkerungsgruppen. Gleichzeitig fordern wir Regierungen und internationale Akteure auf, EB-Anbieter und ihre Beschäftigen mit den notwendigen Mitteln auszustatten, um die Situation besser bewältigen zu können, und zwar unabhängig davon, ob es sich um öffentliche, private oder zivilgesellschaftliche Einrichtungen handelt. Es ist unsere gemeinsame Verantwortung sicher zu stellen, dass non-formale Bildungsangebote während und nach der Krise weiterhin verfügbar sein werden.

Die Potentiale der EB zur Bewältigung der Krise nutzen

Die EB als Teil des Bildungssystems weist einige Spezifika auf, die in der gegenwärtigen Situation besonders hilfreich sein können. EB-Angebote sind bedarfsorientiert, flexibel, zumeist non-formal, handlungsorientiert und auf Veränderung hin ausgereichtet. Dadurch können EB-Anbieter und
-Angebote Menschen aktuell  in vielfacher Weise unterstützen:

  • Durch die Durchführung niedrigschwelliger Angebote der Gesundheitsbildung wie etwa Kampagnen zur Information spezifischer, benachteiligter Bevölkerungsgruppen über den Virus und (einfache) Wege sich individuell, in der Familie oder der Gemeinschaft zu schützen.
  • Durch die Organisation einkommensschaffender Angebote, die einen Beitrag leisten, dringend benötigte Ausrüstung, Dienstleistungen oder Gebrauchsartikel wie Masken, Seife oder Lebensmittel bereit zu stellen.
  • Durch die Entwicklung und Bereitstellung alternativer Lernangebote zur Überbrückung unterbrochener formaler Bildungswege, um so einen Beitrag zur Bewältigung der sich anbahnenden Bildungskrise zu leisten.
  • Durch die Schaffung von Angeboten zur Reflexion über gemeinsame Werte wie globale Verantwortung, Solidarität und bürgerschaftliches Engagement.
  • Durch die Mobilisierung und Organisation von lokalen gemeinschaftlichen Projekten, da EB-Anbieter in vielen Fällen tief in den lokalen Gemeinschaften verwurzelt sind.

Neue Angebote schaffen

Fast überall auf der Welt sind Präsenzkurse und Trainings zurzeit nicht möglich. In der Folge haben Teilnehmerinnen und Teilnehmer keine Möglichkeit mehr, wichtige Lernangebote zu nutzen. Auf der Angebotsseite geraten viele EB-Anbieter und eine sehr große Zahl von Unterrichtenden in eine existenzbedrohende wirtschaftliche Situation. Gleichzeitig ermöglicht die EB mit ihrer Flexibilität und strikten Orientierung an den Bedarfen der Individuen und  Gesellschaften, schnelle Antworten auf aktuelle Herausforderungen zu geben:

  • Ausbau von digitalen Lernmöglichkeiten einschließlich der Einrichtung entsprechender Plattformen, non-formaler Trainings und (zertifizierter) Online-Kurse.
  • Unterstützung von Eltern in ihrer Befähigung online Instrumente zu nutzen und das Lernen ihrer Kinder zu begleiten.
  • Erhöhung der Reichweite durch die Nutzung sozialer Medien und Kanäle, aber auch die Nutzung traditioneller Einrichtungen des Fernunterrichtes, z.B. in Kooperation mit Radio- und Fernsehstationen.
  •  Angebote der psychisch-sozialen Unterstützung, um Erwachsenen zu helfen die Krisensituation besser zu bewältigen.

Diese neuen Formen erfordern Investitionen in eine Verbesserung der Rahmenbedingungen:

  • Investition in die digitale Infrastruktur der nationalen und regionalen Netzwerke, aber auch der lokalen Anbieter sowie Bereitstellung digitaler Endgeräte für Lernende aus benachteiligten Zielgruppen, die sonst keine anderen Möglichkeiten zum Lernen haben. 
  • Trainings für Beschäftigte der EB zur Nutzung der digitalen Instrumente und in der Beratung von Teilnehmenden.
  • Entwicklung zusätzlicher Online-Lernmöglichkeiten für Beschäftigte, Leitungspersonal und Lehrende in der EB.
  • Schaffung digitaler Communities of Practice (CoP) auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene als Plattformen für Fortbildung, Austausch und gegenseitige Hilfe für Beschäftigte der EB.

Regierungen und Entwicklungspartner sind aufgefordert, EB-Anbieter in ihren digitalen Bemühungen zu unterstützen.

Die nachhaltige Entwicklung der EB sichern

Für sehr viele, wenn nicht alle EB-Anbieter, stellt die aktuelle Situation eine existentielle Krise dar. Durch fehlende Einnahmen (Teilnahmegebühren, Projektgelder) befinden sich viele am Abgrund. Es ist an der öffentlichen Hand, das Überleben des EB-Sektors zu sichern. Direkte finanzielle Unterstützung ist notwendig!

Ungeachtet der primären Verantwortung der nationalen Regierungen gibt es einige Dinge, die Entwicklungspartner und internationale Akteure leisten können:

  • Unterstützung der Netzwerke in ihrer Lobbyarbeit für mehr öffentliche Unterstützung in der Krise.
  • Unterstützung für Politiken und Vorgehensweisen, die sicherstellen, dass die Krise nicht als Begründung zur weiteren Einschränkung der Spielräume für die Zivilgesellschaft genutzt wird.
  • Sicherstellen, dass bei der Bewältigung der Krise existierende Strukturen bevorzugt genutzt werden, bevor neue, ggf. parallele  Mechanismen etabliert werden.
  • Schaffung von flexiblen, angepassten Finanzierungsmöglichkeiten zur Bewahrung der institutionellen und personellen Substanz wichtiger EB-Anbieter und Netzwerke.

DVV International sieht seine Rolle darin, die Partner bei der Bewältigung der Folgen der Krise bestmöglich zu unterstützen und bei der Entwicklung von an die Krise angepassten EB-Angeboten zu helfen. Wir werden regelmäßig über innovative Initiativen unserer Projekte und Partner im Umgang mit der Krise und zur Unterstützung der Bevölkerung informieren. Der Coronavirus ist eine globale Herausforderung, und wir sollten sicherstellen, dass auch die Reaktion darauf wahrhaftig global angelegt ist.

Download deutsches Statement (PDF)

Das Statement auf weiteren Sprachen finden Sie auf der englischen Version unerer Website.

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