Adult Learning and Education System Building Approach (ALESBA) - Ansatz zum Systemaufbau in der Erwachsenenbildung

Was ist der Ansatz zum Systemaufbau?

Der Ansatz zum Systemaufbau in der Erwachsenenbildung (Adult Learning and Education System Building Approach/ALESBA) bietet ein konzeptionelles, systematisches und praktisches Verständnis von Erwachsenenbildungssystemen. Durch seine Allgemeingültigkeit kann er auf Erwachsenenbildungssysteme in verschiedenen Kontexten und Ländern angewendet werden. Der Ansatz umfasst einen konzeptionellen Leitrahmen, konkret definierte Implementierungsphasen sowie eine Reihe von Methoden und Instrumente, die in jeder Phase anwendbar sind. Demnach werden Erwachsenenbildungssysteme übergreifend über die Ebenen und Sektoren der Regierungsführung hinweg in vier Elemente mit jeweils fünf Bausteinen systematisch untergliedert. Das Oberziel des Ansatzes ist der Aufbau nachhaltiger Erwachsenenbildungssysteme gemeinsam mit allen Akteuren, um die Bereitstellung integrierter Erwachsenenbildungsangebote im Einklang mit den Bedürfnissen und Interessen der Lernenden zu verbessern. Folglich zielt der Ansatz sowohl auf die Angebots- als auch auf die Nachfrageseite von Erwachsenenbildungsmaßnahmen ab. Zum besseren Anwendungsverständnis des Ansatzes ist es wichtig, sich einen Überblick über den konzeptionellen Leitrahmen, seine Elemente und Bausteine zu verschaffen, die die Grundlage für die Umsetzung des Ansatzes bilden.

Ein System wird im Allgemeinen als eine Einheit aus verschiedenen Elementen und Prozessen verstanden, die über Rückkopplungsschleifen miteinander verbunden und voneinander abhängig sind. Um das Gesamtsystem zu bilden, wird jedes Element und jeder Prozess benötigt und muss dabei seine eigene Rolle und Funktion ausüben. Im Kontext der Erwachsenenbildung werden alle Elemente und Prozesse berücksichtigt, die für die Bereitstellung von Erwachsenenbildungsangeboten erforderlich sind. Dies hängt von der konkreten Definition von Erwachsenenbildung im Kontext des jeweiligen Landes ab. Ein Systemaufbau in der Erwachsenenbildung umfasst einen Bewertungs- und Diagnoseprozess des Systems, die Ermittlung von Alternativen zur Neugestaltung bzw. Verbesserung des Systems, die folgende Erprobung des verbesserten Systementwurfs, die Umsetzung von Korrekturmaßnahmen und den Ausbau des Systems, um eine größere Zielgruppe zu erreichen.

Dem Rahmenkonzept entsprechend sollte ein Erwachsenenbildungssystem alle Regierungsebenen – Makro-, Meso- und Mikroebene – berücksichtigen. Die konkreten Strukturen hängen dabei von der jeweiligen Regierungsstruktur des Landes ab. Die konzentrischen Kreise stellen die einzelnen Regierungsebenen dar und schließen eine „vertikale Integration", das heißt Verbindungen und Rückkopplungsschleifen zwischen den einzelnen Ebenen, mit ein. Wenn Wirkungsbereich und Definition der Erwachsenenbildung einen integrierten Ansatz verfolgen, werden Angebote wie funktionale Alphabetisierungskurse für Erwachsene kombiniert mit non-formalen Qualifizierungsmaßnahmen, und es erfolgt eine „horizontale Integration". Dann wird davon ausgegangen, dass sich die Bereitstellung dieser integrierten Bildungsangebote über alle erwähnten Regierungsebenen erstreckt (Makro-, Meso- und Mikroebene).

Ein voll funktionsfähiges Erwachsenenbildungssystem erfordert die folgenden vier Hauptelemente bzw. Komponenten:

  • Förderliches Umfeld: Dies bezieht sich u.a. auf politische Grundsatzdokumente, Strategien, Direktiven und programmatische Richtlinien, die ein förderliches Umfeld für die Konzeption und Umsetzung von Programmen schaffen. Auch wenn das förderliche Umfeld in der Regel von der Makroebene und den Akteuren ausgeht, die für die Ausarbeitung von politischen Rahmenkonzepten, Strategien usw. verantwortlich sind, müssen diese Dokumente auf kommunaler Ebene interpretiert und letztlich umgesetzt werden.
  • Institutionelle Strukturen: Ein funktionierendes System setzt Akteure und Verantwortliche voraus, die auf ihrer jeweiligen Zuständigkeitsebene die Verantwortung dafür übernehmen, dass Erwachsenenbildungsangebote auf kommunaler Ebene bereitgestellt werden. Institutionelle Strukturen beziehen sich auf die Strukturen innerhalb einer Institution (z. B. Personalausstattung und Stellenbeschreibungen) sowie auf Koordinierungs- und Integrationsstrukturen zwischen sektoralen Institutionen. Letztere sind beispielsweise Koordinierungsgremien und Fachausschüsse, die sich aus verschiedenen sektoralen Behörden zusammensetzen, um Programme gemeinsam zu planen, umzusetzen und zu überprüfen. Diese Strukturen schließen auch Partnerschaften mit der Zivilgesellschaft und anderen Akteuren ein.
  • Technische Prozesse: Diese betreffen das Kerngeschäft der Erwachsenenbildung gemäß Definition und Wirkungsbereich im jeweiligen Landeskontext. Sie umfassen Prozesse, wie z. B. die Erstellung von Curricula und Unterrichtsmaterialien sowie die Fortbildung von Lehrkräften, die letztendlich dazu beitragen, die Bereitstellung von Erwachsenenbildungsangeboten sicherzustellen.
  • Managementprozesse: Sie umfassen die begleitenden Supportprozesse bzw. -funktionen, ohne die die technischen Prozesse nicht ablaufen können, z. B. Planung, Budgetierung, Monitoring und Evaluierungen sowie Koordinierungsmaßnahmen.

Wichtiger Hinweis:

Die im Rahmenkonzept zwischen diesen Elementen gestrichelt dargestellten Trennlinien weisen darauf hin, dass die Prozesse zwischen den vier Elementen sowohl horizontal als auch vertikal fließend verlaufen. Außerdem agiert jedes Element über Makro-, Meso- und Mikroebene hinweg und umfasst mehrere Bausteine, die für ein funktionierendes System vorhanden sein sollten. Da die Verknüpfungen im System wechselseitig verbunden und voneinander abhängig sind, dürfen die Elemente und Bausteine nicht isoliert betrachtet werden, sondern als eine Reihe von miteinander verknüpften Prozessen. Diese Prozesse sind im Wesentlichen Aktivitäten, die Inputs (Menschen, Informationen, Finanzmittel usw.) in Outputs (umgesetzte Bildungsangebote) umwandeln, um strategische und operative Zielstellungen zu erreichen.

Elemente und Bausteine eines Erwachsenenbildungssystems:

Förderliches Umfeld

Institutionelle Strukturen

Management-
prozesse

Technische Prozesse

Politisches Rahmenkonzept

Implementierungs-
struktur

Partizipative Planungsprozesse

Lokalisiertes Curriculum

Strategie

Personelle Ressourcen

Adäquate Budget- und Ressourcen-
bereitstellung

Klare Konzeption und Methodik von Erwachsenenbildungs-
programmen

Leitlinien für die Programm-
implementierung

Führung und Management

Monitoring- und Evaluierungssystem

Kapazitätsentwicklung auf allen Implementierungs-
ebenen

Qualifikations-
rahmen

Verfahren zur Rechenschaftslegung

Management-
informationssystem

Entwicklung von Unterrichtsmaterialien

Gesetzlicher Rahmen

Partnerschaften mit nicht-staatlichen Akteuren

Koordinierungsstellen und -prozesse

Lernerfolgskontrolle

An wen richtet sich der Ansatz zum Systemaufbau?

Der Ansatz zum Systemaufbau zielt sowohl auf die Angebots- als auch auf die Nachfrageseite von Erwachsenenbildungsmaßnahmen. Da das primäre Ziel darin besteht, die Bereitstellung von Erwachsenenbildungsangeboten zu verbessern, sind die hauptsächlichen Anwendergruppen des Ansatzes auf der Angebotsseite zu finden. Dies sind insbesondere:

  • Regierungsstellen von nationaler bis lokaler Ebene und in allen Regierungssektoren, die dem Erwachsenenbildungssystem eines bestimmten Landes entsprechend in Erwachsenenbildung involviert sind (z. B. Bildung, Landwirtschaft, Berufsbildung und Genderfragen). Im Ansatz werden Alphabetisierungsprogramme für Erwachsene, non-formale Qualifizierungsmaßnahmen und jede andere angebotene Form der Erwachsenenbildung einbezogen.
  • Akteure der Zivilgesellschaft, lokale sowie internationale Nichtregierungsorganisationen (NRO)
  • Akademische Einrichtungen wie Universitäten und Fachhochschulen

Jeder Akteur übernimmt im Rahmen seines Aufgabenbereichs und seiner Verantwortung eine Rolle innerhalb des Systems. Der Ansatz unterstützt die Nachfrageseite der Bildungsangebote, indem Tools zur Bedarfsermittlung zur Verfügung gestellt werden. Damit können die Bedürfnisse und Interessen von jugendlichen und erwachsenen Lernenden als Einzelpersonen, in organisierten Gruppen oder in gemeinwesenbasierten Organisationen (Community Based Organisations, CBOs) ermittelt werden. Ihre Meinungen zur Bereitstellung von Erwachsenenbildungsangeboten werden zu Beginn und während des Prozesses zum Systemaufbau in der Erwachsenenbildung erfasst. So wird sichergestellt, dass das System seine Relevanz behält und den Bedürfnissen und Anforderungen der Zielgruppe entspricht.

Organisationen wie DVV International können eine wichtige unterstützende und kapazitätsfördernde Rolle beim Systemaufbau in der Erwachsenenbildung spielen.

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