Adult Learning and Education System Building Approach (ALESBA) anwenden

Was ist bei der Anwendung des Ansatzes zum Systemaufbau zu beachten?

Der Ansatz zum Systemaufbau in der Erwachsenenbildung ist sehr komplex und erfordert vor seiner Anwendung idealerweise eine Schulung zum Ansatz selbst und zur kontextuellen Anpassung seiner Inhalte an die Gegebenheiten des jeweiligen Landes. Die Umsetzung des Ansatzes sollte zum Aufgabenbereich aller Akteure gehören, und diese geteilte Verantwortung für die Ergebnisse, Pläne und Lernerfahrungen stellt einen wichtigen Faktor für den nachhaltigen Erfolg des Ansatzes dar. Alle zentralen Akteure sollten daher für jede Phase des Ansatzes rechtzeitig geschult werden und dabei die Instrumente und Methoden selbst anwenden.

Die Anwendung des Ansatzes zum Systemaufbau in der Erwachsenenbildung setzt folgende Entscheidung voraus:

  1. Kontext und Wirkungsbereich, in dem der Ansatz angewendet werden soll, ist zu definieren. Erwachsenenbildung kann zahlreiche Schwerpunktbereiche haben. Es gilt zu entscheiden, in welchen Schwerpunktbereichen und/oder bei welchen Erwachsenenbildungsangeboten der Ansatz zum Einsatz kommen soll, z. B. bei der Alphabetisierung von Erwachsenen oder einer Kombination aus Erwachsenenalphabetisierung und non-formalen Qualifizierungsmaßnahmen. Basierend auf den Bedürfnissen der Zielgruppe ergeben sich in jedem Land andere Kontextfaktoren.
  2. Die Definition des Kontexts und des Wirkungsbereichs bestimmt auch, welche Akteure und Verantwortlichen involviert sein werden.

Der Ansatz zum Systemaufbau in der Erwachsenenbildung und das Rahmenkonzept haben allgemeine Gültigkeit und können im Prinzip in jedem Sektor eingesetzt werden. Sie richten sich jedoch eher an Projekte bzw. Programme der non-formalen Erwachsenenbildung, deren Fokus auf der funktionalen Alphabetisierung von Erwachsenen, der Vermittlung von technischen und existenzsichernden Grundkompetenzen (einschließlich landwirtschaftlicher, unternehmerischer und lebenspraktischer Kompetenzen) und auf anderen Bildungsformen liegt, die für Erwachsene und ihre lokalen Gemeinwesen von Nutzen sein können. Dies gilt unabhängig davon, ob es sich um Projekte oder Programme in den Bereichen Umwelt, Gesundheit, politische Bildung, Jugend- oder Frauenförderung handelt.

Diese Entscheidung sollte diskutiert und erörtert werden, um einen Konsens in Bezug auf Kontext, Wirkungsbereich, beteiligte Akteure und deren Einbindung zu erreichen. Erst dann kann der Prozess zum Systemaufbau in der Erwachsenenbildung beginnen, der im nächsten Abschnitt näher erläutert wird.

Schritt für Schritt mit dem Ansatz zum Systemaufbau

Beim Ansatz zum Systemaufbau in der Erwachsenenbildung geht es nicht nur darum, den Status des Erwachsenenbildungssystems einzuschätzen, sondern vielmehr um ein langfristiges Herangehen mit dem Ziel, ein nachhaltiges Erwachsenenbildungssystem Schritt für Schritt aufzubauen. In Abhängigkeit vom Systemstatus zum Zeitpunkt der ersten Bewertung kann es zwischen 6 und 12 Jahren dauern, bis ein voll funktionsfähiges System etabliert wurde, das bedarfsorientierte Erwachsenenbildungsangebote bereitstellen kann. Der Ansatz zum Systemaufbau in der Erwachsenenbildung besteht aus fünf Phasen, die nachfolgend kurz beschrieben werden. Dem Rahmenkonzept des Erwachsenenbildungssystems folgend werden in jeder Phase alle Elemente und Bausteine übergreifend auf Mikro-, Meso- und Makroebene berücksichtigt. Wenngleich die Phasen nacheinander ablaufen, handelt es sich nicht immer um einen exakt linear verlaufenden Prozess.

Phase 1: Konsensbildung

Vor dem Einstieg in den langfristigen Prozess des Systemaufbaus in der Erwachsenenbildung ist es wichtig, dass sich alle Akteure zusammenfinden und basierend auf einem gemeinsamen Verständnis für eine notwendige Verbesserung des Erwachsenenbildungssystems eine gemeinsame Vision diesbezüglich entwickeln. Ziel ist es dabei, letztendlich optimierte Erwachsenenbildungsangebote bereitzustellen. In dieser Phase sollte ein Konsens über den Wirkungsbereich und die Definition des zu verbessernden Erwachsenenbildungssystems sowie über die Rollen und Zuständigkeiten der Akteure in diesem Prozess erzielt werden. Diese Phase kann beispielsweise eine erste Visionsentwicklung und eine Stakeholder-Analyse beinhalten. Konsensbildung ist besonders zu Beginn des Prozesses eine wichtige Aufgabe, die mehrere Treffen und Workshops in Anspruch nehmen kann. Gleichzeitig handelt es sich hierbei um einen fortlaufenden Prozess, der sich über alle Phasen erstreckt. Die Einbindung der Akteure in Bewertungsverfahren sowie in die Planung und Erprobung neuer Systeme wird im Laufe der Zeit ein höheres Maß an Vertrauen und Konsens schaffen.

Phase 2: Bewertung und Diagnose

Phase 2 besteht aus drei Teilen. Im ersten und zweiten Teil wird das System aus der Sicht der Angebotsseite bewertet, im dritten Teil werden die Interessen und Bedürfnisse der Zielgruppe aus der Sicht der Nachfrageseite eingeschätzt.

Teil 1: Bewertung des Erwachsenenbildungssystems

Der erste Schritt besteht darin, eine Bewertung des Erwachsenenbildungssystems vorzunehmen. Dieser lässt sich als „Aufnahme der Vitalparameter des Systems" umschreiben oder auch als Bestimmung des Kernstatus und der Kernprobleme des Systems basierend auf dem Rahmenkonzept der Systembildung. Das Bewertungsinstrument liefert qualitative Informationen für die weitere Analyse und quantitative Informationen in Form eines Punktesystems, das den Status des Systems durch Punktwerte verdeutlicht. Diese Ergebnisse können als Basisdaten dienen und im Prozessverlauf im Rahmen der Monitoring- und Evaluierungsmaßnahmen des Erwachsenenbildungssystems wiederholt werden.

Teil 2: Diagnose des Systems

Nachdem die Bewertung durchgeführt wurde, lassen sich zahlreiche Herausforderungen in allen Systemelementen feststellen. Diese systemischen Herausforderungen oder Blockaden müssen mit Hilfe von Diagnoseinstrumenten und entsprechenden Untersuchungen weiter analysiert werden, um die zugrundeliegenden Ursachen der Systemfehlfunktionen zu finden. Dies ist der zweite Teil von Phase 2 – Diagnose des Systems – und kann mit weiteren Bluttests verglichen werden, die zur Feststellung der Ursache einer Krankheit durchgeführt werden.

Teil 3: Bedarfs- oder Nachfrageanalyse

Ein System existiert, um Dienstleistungen bzw. Angebote für eine Zielgruppe zu erbringen. Die Bedürfnisse und Interessen der Zielgruppe bestimmen folglich, welche Angebote bereitgestellt werden sollten. Daher ist eine Bedarfs- oder Nachfrageanalyse durchzuführen, um die Interessen und Bedürfnisse der Zielgruppe und ihre Ansichten über die aktuell verfügbaren Erwachsenenbildungsangebote zu ermitteln.

Phase 3: Systemoptionen zur Analyse und zur Neugestaltung

Nachdem mit Hilfe der Bewertungs- und Diagnoseverfahren ein klares Gesamtbild des Systems erstellt wurde, arbeiten die Akteure auf der Angebots- und Nachfrageseite gemeinsam an der Entwicklung alternativer Systemoptionen. Dabei geht es insbesondere darum, Systemblockaden zu lösen, Prozessabläufe zu vereinfachen, Implementierungsstrukturen zu verändern, die von der Zielgruppe benötigten Bildungsangebote sowie die Modalitäten deren Bereitstellung (z.B. in lokalen Erwachsenenbildungszentren/ Community Learning Centres/ CLCs) zu bestimmen. Diese alternativen Optionen sind unter anderem gegenüber dem Zeitaufwand für ihre Umsetzung, die damit verbundenen Kosten und die verfügbaren Ressourcen zu bewerten. Die optimale Lösung besteht darin, Systemalternativen und Einstiegspunkte zu finden, die die größte Hebelwirkung erzeugen können. Das wären Einstiegspunkte und Systemveränderungen, die eine Katalysatorwirkung auf weitere Systemelemente und Bausteine entfalten. Diese Phase schließt mit einemneuen Systementwurf ab, der in ausgewählten Bereichenerprobt wird (unter Berücksichtigung des ganzheitlichen Rahmenkonzepts des Gesamtsystems).

Phase 4: Umsetzen und erproben

Das neu konzipierte System kann über einen Zeitraum von ca. 3 bis 6 Jahren implementiert werden. Während dieser Zeit sollte die Funktionalität des Systems genau überwacht und dokumentiert werden. Dabei sollten idealerweise Korrekturmaßnahmen „an Ort und Stelle" ergriffen werden, die ebenfalls getestet und aufgezeichnet werden. Das Bewertungsinstrument aus Phase 2 kann jederzeit eingesetzt werden, um Fortschritte und Veränderungen zu verfolgen. Empfehlenswert ist der Einsatz von Instrumenten wie „Qualitätszirkel". Diese Arbeitsgruppen setzen sich aus allen Akteuren zusammen, und es ist ihre Aufgabe, in regelmäßigen Treffen die Umsetzung des neu konzipierten Systems zu überwachen.

Phase 5: Überprüfen, anpassen und ausbauen

Das getestete System sollte nach 3 oder 6 Jahren erneut überprüft werden (wiederum unter Verwendung des Bewertungs-Tools aus Phase 2) und mit den Ausgangsdaten der ersten Bewertung in Phase 2 verglichen werden. Dabei gilt es auch die während der Testphase vorgenommenen Modifikationen und deren Auswirkungen zu berücksichtigen. Weitere notwendige Korrekturmaßnahmen sind vorzunehmen, und ein abschließendes Systemkonzept ist gemeinsam zu verabschieden, um dann dieses verbesserte Erwachsenenbildungssystem in weiteren Distrikten, Regionen und Provinzen oder auf nationaler Ebene zu etablieren. Dieses Systemkonzept sollte in offiziellen Dokumenten, Richtlinien und Direktiven als offizielles Erwachsenenbildungssystem des betreffenden Landes verankert werden. Da Systeme einen dynamischen Charakter besitzen und auch mit ihrem externen Umfeld interagieren, ist es erforderlich, dass sie im Laufe der Zeit immer wieder auf notwendige Anpassungsmaßnahmen überprüft werden. Systeme dienen nicht dem Selbstzweck, sondern sind ein Mittel, um die Bereitstellung von Angeboten zu verbessern.

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