Gedenkreise nach Belarus zur Erinnerung an nationalsozialistische Verbrechen

An der Gedenkreise nahm unter anderem auch Matthias Platzeck, Ministerpräsident a.D. (rechts im Bild) teil. © IBB

Zwei Vertreter deutscher Volkshochschulen nahmen mit Unterstützung von DVV International aus Anlass des 70. Jahrestages des Kriegsendes an einer Gedenkreise vom 1. bis 5. Mai nach Belarus teil. Die Gedenkreise, die nach Minsk und in das ehemalige Lager Trostenez führte, wurde vom Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk (IBB) Dortmund organisiert.

Während seiner Ansprache in der Internationalen Bildungs- und Begegnungsstätte „Johannes Rau“ in Minsk sagte Gernot Erler vom IBB: „Der Vernichtungsort Trostenez steht stellvertretend für die deutschen Verbrechen in Belarus. Hier in Trostenez fielen während der deutschen Besatzungszeit Angehörige der belarussischen Zivilbevölkerung, Häftlinge, belarussische Partisanen und sowjetische Kriegsgefangene deutschen Kriegsverbrechen zum Opfer. Belarussische und auch westeuropäische Juden wurden hier Opfer des NS-Rassenwahns. Im Namen der Bundesregierung und auch persönlich für meine Person bitte ich um Vergebung für die von Deutschen in Belarus begangenen Verbrechen und ich verneige mich vor den Opfern.“

Trostenez war der größte Vernichtungsort in Belarus während der deutschen Besatzungszeit von 1941 bis 1944. Zwischen 50.000 und 206.500 Menschen wurden dort getötet, verscharrt, später exhumiert und verbrannt. 1941 und 1942 wurden mehr als 22.000 deutsche Bürger mit jüdischen Wurzeln aus Berlin, Bremen, Düsseldorf, Frankfurt, Köln und Hamburg, sowie aus Theresienstadt und Wien nach Minsk und Trostenez deportiert.

An der Gedenkreise nahmen neben Matthias Platzeck, Ministerpräsident a.D. und mehreren Bundestags- und Landtagsabgeordneten, auch Nachkommen von Trostenez-Opfern aus Deutschland, Tschechien und Großbritannien sowie Vertreter von Kirchen und anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen teil. In Minsk traf die Delegation Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs, sowie Vertreter der orthodoxen und katholischen Kirchen, der jüdischen Gemeinde Minsk und zivilgesellschaftlichen Initiativen. Tadeusz Kondrusiewicz, Erzbischof von Minsk und Mogiljow begrüßte die internationale Delegation mit den Worten „Wir haben uns hier als Europäer versammelt, Belarussen und Deutsche, um einander die Hand zu reichen für ein neues Europa und die Botschaft in die Welt zu senden: Nie wieder Krieg!“

„Die Offenheit, mit der uns hier begegnet wurde, hat uns sehr beeindruckt. Wir nehmen viele Impulse für unsere Arbeit mit Zeitzeugen an unseren Volkshochschulen mit“, betonten Dieter Labode von der VHS Nienburg, und Andreas Preu von der VHS Bonn. Beide Volkshochschulen engagieren sich seit einigen Jahren im Rahmen der Projektarbeit von DVV International in der Förderung der Erwachsenenbildung in Belarus.

Das IBB setzt sich seit Jahren für einen deutsch-belarussischen Dialog zum Vernichtungsort Trostenez ein. Ein Modellprojekt ist dabei die gemeinsame Entwicklung einer Wanderausstellung für Jugendliche durch deutsche und belarussische Historiker, die mit entsprechenden Begleitveranstaltungen auch an deutschen Volkshochschulen gezeigt werden soll.

DVV International unterhält ein eigenes Länderbüro in Minsk und arbeitet seit Jahren im Bereich der non-formalen Bildung in Belarus intensiv mit dem IBB zusammen.

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