Einbinden, verstehen, gestalten – Netzwerkarbeit und Organisationsentwicklung für die Erwachsenenbildung

Zum ersten Mal hat sich ein globales Netzwerk zusammengeschlossen, um eine gemeinsame Definition von Erwachsenenbildung (englisch: Adult Learning and Education – ALE) zu entwickeln und anzuwenden. Den Veränderungsprozessen des Netzwerkes und der Partner wurden die drei Prinzipien der Organisationsentwicklung „Einbinden, Verstehen, Gestalten“ zugrunde gelegt.

Wie eine weltweite Kampagne nachhaltige Veränderungsprozesse bewirkt

Für Kurt Lewin, einem Begründer der Organisationsentwicklung, war die Sache einfach:  V = f (P, U). Diese allgemeine Formel besagt, dass das Verhalten eines Menschen von den Einflüssen seiner Umwelt abhängig ist, so genannten anziehenden oder auch abstoßenden Feldkräften. Die Organisationsentwicklung bleibt diesem Grundgedanken aus dem 20. Jahrhundert weiter treu. Sie geht davon aus, dass Veränderungsprozesse nur dann erfolgreich gestaltet werden können, wenn der Mensch im Mittelpunkt der Betrachtung steht und gleichzeitig die Wechselwirkungen mit der Umwelt einbezogen werden. In diesem sozialwissenschaftlichen Ansatz geht die Organisationsentwicklung sogar noch einen Schritt weiter. Nicht nur der einzelne Mensch, sondern die ganze Organisation wird als ein soziales Wesen verstanden, das in Austauschbeziehungen zu seiner Umwelt steht.

Eine Organisation kann bewusst darüber entscheiden, welche Impulse und Informationen aus ihrer Umwelt sie aufnimmt und für eigene Veränderungsprozesse einsetzt. Ebenso kann eine Organisation bewusst darüber entscheiden, mit welchen externen Austauschgruppen sie aktiv eine Beziehung führen will. Dieser Austausch, der allgemein als Stakeholder-Management bezeichnet wird, kann in Form von Kooperationen oder Netzwerken gelebt werden. Während Kooperationen die Zusammenarbeit von eigenständigen Partnern zur Erreichung auch eigener Ziele bezeichnet, stehen Netzwerke eher für den komplexen Zusammenschluss von mehreren Partnern, bei dem neben der Erreichung eines meist gemeinsamen Ziels auch die Stärkung aller Beteiligter beabsichtigt ist.

Identitätsstiftendes Marketing

DVV International, das Institut für Internationale Zusammenarbeit des Deutschen Volkshochschul-Verbandes, unterhält zahlreiche Beziehungen zu externen Austauschgruppen. Als Fachorganisation der Erwachsenenbildung führt DVV International Projektarbeit in rund 40 Ländern mit mehr als 200 Partnern durch. Darüber hinaus ist DVV International personell in internationalen Verbänden der Erwachsenenbildung vertreten und arbeitet mit einer Vielzahl an nationalen, regionalen und lokalen Netzwerken aus fünf Kontinenten zusammen.

DVV International nutzt seine Partner- und Netzwerkarbeit nicht nur in der Projektarbeit, sondern vor allem in seiner Lobbytätigkeit. Gemeinsam mit den internationalen und globalen Partnern setzt sich das Institut weltweit für das Menschenrecht auf Bildung und für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen von Erwachsenenbildung ein. Zur Stärkung seiner Lobbyarbeit bindet DVV International sein Institutsmarketing ein, das Maßnahmen zur Förderung der politischen und gesellschaftlichen Wahrnehmung von Erwachsenenbildung entwickelt. Das Institutsmarketing will die Erwachsenenbildung aus ihrem Nischendasein herausholen und weltweit besser positionieren.

Im Sinne eines Stakeholder-Managements nutzt das Marketing die Beziehungen und Wechselwirkungen mit Austauschgruppen, um die strategischen Ziele des Instituts zu erreichen. Eine Methode ist die Gestaltung nachhaltiger Veränderungsprozesse durch Netzwerkarbeit. Das Marketing fungiert als Sprachrohr und Verbindung zur Umwelt. Es verteilt und sammelt gezielt Informationen und Impulse nach und von außen. Zum anderen steuert das Institutsmarketing identitätsstiftende Maßnahmen zur Entwicklung eines Wir-Gefühls und grenzüberschreitenden Gemeinsamkeiten in der Netzwerkarbeit, um globale Lobbyprozesse voranzubringen. Nicht nur der Nutzen des gemeinsam erreichten Ziels, sondern die gemeinsame entwickelte Identität in der Netzwerkarbeit sichert den langfristigen Erfolg und bietet einen Mehrwert für alle Partner.

ALE Kampagne

Ein Beispiel ist der von DVV International eingeleitete Prozess zur Schaffung eines weltweit einheitlichen Verständnisses von Erwachsenenbildung - dem ALE-Projekt. Zum ersten Mal hat sich ein globales Netzwerk zusammengeschlossen, um eine gemeinsame Definition von Erwachsenenbildung (englisch: Adult Learning and Education – ALE) zu entwickeln und anzuwenden. Das Projekt besteht aus einem komplexen Netzwerk, darunter die Gründungspartner der globalen Allianz ASPBAE (Asia South Pacific Association for Basic and Adult Education), CEAAL (Consejo de Educación de Adultos de América Latina), CLADE (Latin American Campaign for the Right to Education, DVV International (Institut für Internationale Zusammenarbeit des Deutschen Volkshochschul-Verbands), EAEA (European Association for the Education of Adults), ICAE (International Council for Adult Education) und UIL – UNESCO Institute for Lifelong Learning.  Von einem anfänglich losen Verbund hat sich das Netzwerk zu einer stabilen Gruppe entwickelt, die einen Wandel innerhalb und außerhalb ihrer Organisationen anstoßen und begleiten. In der ersten Phase wurde das Branding- und Lobbying-Projekt vom Marketing von DVV International gesteuert, in der zweiten Phase liegt die Federführung der Fünfjahreskampagne bei ICAE (Internationaler Rat für Erwachsenenbildung). Als Teil des Projekts haben ICAE und DVV International einen Kurzfilm entwickelt, der die ALE Kampagne und ihre Bedeutung für die globale Lobbyarbeit im Hinblick auf die Agenda 2030 und die Ziele für nachhaltige Entwicklung erklärt.

Den Veränderungsprozessen des Netzwerkes und der Partner wurden die drei Prinzipien der Organisationsentwicklung „Einbinden, Verstehen, Gestalten“ zugrunde gelegt. Für die Moderation und Steuerung des Netzwerkes wurden Instrumente der Organisationsentwicklung eingesetzt. Konstruktiver Dialog, Analyse- und Feedbackmethoden, Kompetenzentwicklung, Entdecken gemeinsamer Werte, Workshops in Form einer Zukunftskonferenz und partizipative Entscheidungsstrukturen – dies sind einige der Schlagworte aus dem mehrjährigen Lern- und Veränderungsprozess des Netzwerkes. Es hat sich geschaffen, um zunächst sich selbst, und dann die Gesellschaft zu wandeln. Die Veränderung des Verständnisses von ALE hat innerhalb der einzelnen Verbände und Organisationen begonnen. Sie tragen den Wandel und die Vision von ALE in ihre einzelnen Mitgliedsorganisationen, und diese wiederum in die Regionen und Länder.

Statt einer Kampagne eines einzelnen Akteurs, der mit hohem Aufwand an Ressourcen in einzelne Länder vorzudringen versucht, findet hier ein organisationaler Lern- und Veränderungsprozess statt, der sich durch Wechselwirkungen quasi von allein in die Welt trägt. Die Partner vollziehen einen Wandel in der Akzeptanz der globalen Definition von ALE und sind gleichzeitig Botschafter der gemeinsam gewollten Veränderung. „We are ALE“ lautet der Name der globalen Partnerkampagne. 

Hier setzt die Verhaltensformel von Kurt Lewin erneut ein. Um erfolgreichen Wandel zu erreichen, muss der Mensch beteiligt werden. Verändert sich der Mensch, dann verändert sich eine Organisation, und dies wiederum nimmt Einfluss auf die Gesellschaft. Globale, nachhaltige Lern- und Veränderungsprozesse entstehen.

Gründungspartner der globalen Allianz


ASPBAE – Asia South Pacific Association for Basic and Adult Education 

CEAAL – Consejo de Educación de Adultos de América Latina 

CLADE – Latin American Campaign for the Right to Education 

DVV International – Institute for International Cooperation of the German Adult Education Association (DVV) 

EAEA – European Association for the Education of Adults

GCE – Global Campaign for Education

ICAE – International Council for Adult Education

Pamoja West Africa – West African Network of Reflect practitioners

PIMA – Pascal International Members Association

REPEM – Red de Educación Popular entre Mujeres

UIL – UNESCO Institute for Lifelong Learning


Machen Sie mit und unterstützen Sie die ALE Kampagne:

www.we-are-ale.org

Unsere Arbeit

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DVV International arbeitet mit mehr als 200 Partnern in über 30 Ländern.

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