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Neuen Herausforderungen und gesellschaftlichen Entwicklungen mit neuen Ansätzen der Erwachsenenbildung begegnen

In einem Leitartikel reflektiert Christoph Jost, Leiter von DVV International, über neue gesellschaftliche Herausforderungen und mit welchen Ansätzen die Erwachsenenbildung diesen begegnen muss.

DVV International und sein weltweites Büro- und Partnernetzwerk stehen im Zuge der andauernden Coronakrise und eingeschränkter Spielräume für die Zivilgesellschaft immer wieder vor neuen Herausforderungen. Politische Umstürze und zunehmend autokratische Regime erschweren das Engagement des Instituts. In diesem Zusammenhang müssen wir in diesem Jahr leider unser langjähriges Büro in Belarus schließen. Die Arbeit mit unserem zentralen Partner in Afghanistan, der Afghan National Association for Adult Education, steht aufgrund der Machtübernahme durch die Taliban vor unklaren Zukunftsperspektiven. Wir werden neue Formen der Zusammenarbeit und der Projektausrichtung suchen, um unser Engagement fortzusetzen und die wertvollen Kontakte mit unseren Partnern aufrechtzuerhalten.

In anderen Weltregionen wird zwar zunehmend erkannt, dass die Zivilgesellschaft von zentraler Bedeutung für die Zukunft der Erwachsenenbildung und nachhaltiger Entwicklung ist. Jedoch lässt die Einbindung in politische Prozesse und die Ausgestaltung des Subsektors der Erwachsenenbildung häufig noch zu wünschen übrig. Die öffentlichen Haushalte und die Budgets der Bildungsministerien leiden unter den Auswirkungen der Coronapandemie. Die angespannte Finanzlage wirkt sich auch auf die internationale Gebergemeinschaft aus, die für die Förderung und den Strukturaufbau der Erwachsenenbildung weiterhin von zentraler Bedeutung ist.

Neue Ansätze für neue Herausforderungen

DVV International muss den Herausforderungen mit neuen Lösungen und Ansätzen begegnen. Digitale Lehr- und Lernformate sowie regionale bzw. länderübergreifende Maßnahmen werden immer wichtiger, um mit schwer zu erreichenden Zielgruppen weiter zusammenarbeiten zu können – sei es bei eingeschränkten zivilgesellschaftlichen Spielräumen, bei pandemiebedingten Mobilitätshindernissen oder auch bei finanziellen Engpässen.

Stagnierenden und sinkenden Budgets im Bildungsbereich muss stärker mit übersektoralen Ansätzen sowie inter-ministeriellen Strategien für lebenslanges Lernen begegnet werden. Dialogmaßnahmen, die die Chancen und den Nutzen des lebenslangen Lernens für die Gesellschaft verdeutlichen, sind in diesem Zusammenhang zentral. Hierbei muss die vereinfachte Nachricht sein, dass ohne breitenwirksame Bildung für Menschen in jedem Lebensalter keine Entwicklung erfolgen kann.

Digitalisierung nutzen

Die Erwachsenenbildung ist zweifelsfrei mit der persönlichen Begegnung und dem Austausch im Präsenzlernen verbunden. Dennoch sollten digitale Formate – aufbauend auf den Erfahrungen der Coronakrise – als Mehrwert verstanden und soweit möglich komplementär genutzt werden. Denn digitale Kompetenzen und der souveräne Umgang mit neuen Medien werden in Zukunft noch wichtiger für eine kritische Beteiligung an sozialen, politischen und wirtschaftlichen Prozessen sein.

Zudem gilt es, die digitale Kluft nicht noch größer werden zu lassen und die am meisten benachteiligten Menschen in der virtuellen Welt nicht zurückzulassen. Nicht zuletzt leisten digitale Arbeits-, Lern- und Begegnungsformate einen Beitrag zum Klimaschutz. Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind somit aktuelle und zukünftige Trendthemen, nicht nur für die Erwachsenenbildung, sondern für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung.

Politisches Commitment in die Praxis umsetzen

Auf der globalen Politikebene muss Erwachsenenbildung noch mehr als Motor und Querschnittsthema für die Erreichung der Agenda 2030 und der SDGs wahrgenommen und verstanden werden. Hierfür stellt die im Jahr 2022 stattfindende 7. Weltkonferenz der Erwachsenenbildung (CONFINTEA VII) eine gute Gelegenheit dar. DVV International hat sich mit seinen Büros und Partnern durchweg an den (sub-)regionalen Vorbereitungskonferenzen beteiligt. Wir sind bemüht, der Stimme der Zivilgesellschaft und unserer staatlichen Partner Gehör zu verschaffen.

Zudem ist das Institut in der vom UNESCO Institut für lebenslanges Lernen (UIL) gesteuerten Consultative Group eingebunden. Im weiteren Verlauf gilt es nun abzusichern, dass die Belange unseres globalen Netzwerkes ihren Niederschlag in den Ergebnissen der Konferenz finden. Im Anschluss an die Konferenz wird es darum gehen, die Ergebnisse über die eigentliche Szene der Erwachsenenbildung hinaus bekannt zu machen. Ansonsten wird es auch in den nächsten Jahren schwierig werden, politisches Committment in zählbare Ergebnisse zu überführen, welche die strukturellen Rahmenbedingungen von Erwachsenenbildung befördern und mehr Bildung für alle ermöglichen.

Der Autor

Christoph Jost ist der Geschäftsführer von DVV International.
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