Erwachsenenbildung im Kontext von Digitalisierung und Migration

Vortrag von Vertreter*innen der kirgisischen Datenschutzbehörde während des Workshops

Vom 26. bis 28. August 2026 lud DVV International in Kirgistan 25 Fachleute aus Kirgisistan, Tadschikistan und Usbekistan zum regionalen Workshop „Erwachsenenbildung im Kontext von Digitalisierung und Migration: Von Herausforderungen zu Lösungen“ ein. Die Teilnehmer*innen tauschten Erfahrungen aus und entwickelten praxisnahe Ansätze für die Bildungsarbeit mit Arbeitsmigrant*innen.

Arbeitsmigration prägt die Region

Für Millionen von Menschen in Kirgisistan, Tadschikistan und Usbekistan ist Arbeit im Ausland eine zentrale Einkommensquelle und trägt wesentlich zum Lebensunterhalt ihrer Familien bei. Rücküberweisungen leisten zudem einen bedeutenden Beitrag zu den Volkswirtschaften der Herkunftsländer. Nach Angaben der Weltbank machten sie 2025 in Tadschikistan rund 58 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, in Kirgisistan 18 Prozent und in Usbekistan 14 Prozent.

Russland ist weiterhin das wichtigste Zielland für Arbeitsmigrant*innen aus Kirgisistan, Tadschikistan und Usbekistan. Kasachstan stellt insbesondere für Arbeitskräfte aus Kirgisistan und Usbekistan ein weiteres bedeutendes Zielland dar. Zugleich diversifizieren sich die Migrationswege, vor allem aus Usbekistan: Neben den etablierten Zielländern entstehen zunehmend Möglichkeiten für reguläre Beschäftigung und organisierte Arbeitsmigration, unter anderem in Südkorea, der Türkei, den Golfstaaten, Deutschland und dem Vereinigten Königreich. Gleichzeitig findet neben der Migration zwischen den zentralasiatischen Ländern auch eine erhebliche Binnenmigration aus ländlichen Gebieten in städtische Zentren statt.

Höhere Einkommen und bessere Beschäftigungsperspektiven im Ausland bleiben die wichtigsten Beweggründe für Arbeitsmigration. Zugleich spielen demografische Entwicklungen eine zentrale Rolle: Die zentralasiatischen Länder verfügen über junge und wachsende Bevölkerungen; jedes Jahr drängen Hunderttausende junge Menschen auf den Arbeitsmarkt. Gleichzeitig dürfte die Nachfrage nach ausländischen Arbeitskräften in Teilen Europas und Ostasiens angesichts alternder Bevölkerungen und schrumpfender Erwerbsbevölkerungen bestehen bleiben.

Bildung für den gesamten Migrationszyklus

Den Chancen der Migration stehen für Arbeitsmigrant*innen zahlreiche Herausforderungen gegenüber. Dazu zählen ein begrenzter Zugang zu guter Beschäftigung, fehlende oder nicht passgenaue Qualifikationen, Schwierigkeiten bei der Anerkennung von Abschlüssen, Sprachbarrieren sowie ein unzureichender Schutz in den Zielländern.

Die fortschreitende Digitalisierung verschärft diese Herausforderungen. Fehlende digitale und überfachliche Kompetenzen können es Migrant*innen erschweren, verlässliche Beschäftigung zu finden, digitale Rekrutierungs- und Verwaltungsverfahren zu nutzen und sich an veränderte berufliche Anforderungen anzupassen.

Vor diesem Hintergrund gewinnt Erwachsenenbildung weiter an Bedeutung. Sie kann Menschen entlang des gesamten Migrationszyklus unterstützen: bei der Vorbereitung auf die Ausreise, durch Sprachkurse und berufliche Qualifizierung, bei der Orientierung und Weiterentwicklung im Zielland sowie bei einer möglichen Rückkehr und Wiedereingliederung im Herkunftsland. Bildungsangebote können Migrant*innen dabei helfen, neue berufliche Perspektiven zu erschließen, ihre Qualifikationen auszubauen und die digitalen Kompetenzen zu erwerben, die für eine selbstbestimmte Teilhabe an zunehmend digitalisierten Arbeitsmärkten und Gesellschaften erforderlich sind.

Ein Curriculum für die Praxis

Vor diesem Hintergrund werden die Länderbüros von DVV International in Zentralasien ein neues regionales Curriculum für Erwachsenenbildnerinnen entwickeln, die mit Arbeitsmigrantinnen arbeiten. Das Curriculum soll sie darin stärken, auf die spezifischen Lernbedürfnisse von Menschen einzugehen, die sich auf Migration vorbereiten oder nach einer Zeit im Ausland in ihre Herkunftsländer zurückkehren.

Während des Workshops diskutierten die Teilnehmenden Zielgruppen, zentrale Inhalte und mögliche Umsetzungsformate des Curriculums. Damit legten sie den Grundstein für dessen weitere Entwicklung und Anwendung in Zentralasien.