Reaktion von DVV International Nordafrika

Coronavirus: DVV International Tunesien mobilisiert

COVID-19 ist eine öffentliche  Gesundheitsgefahr von internationaler Bedeutung. Während seiner Rede am 18. März verhängte der Präsident der Tunesischen Republik eine Ausgangssperre (von 18.00 Uhr bis 6.00 Uhr) im ganzen Land. Außerdem kündigte er die totale Beschränkung und ein Verbot aller Reisen zwischen den Stadtvierteln und Städten an.

Angesichts der Coronavirus-Pandemie hat das Büro von DVV International Tunesien seine Arbeitsweise und seine personellen Ressourcen angepasst und arbeitet an einer Reaktion, die den gesundheitlichen und wirtschaftlichen Schaden im Land begrenzen soll.

Sensibilisierungskampagnen unter Lernenden in Erwachsenenbildungszentren

Um die Ausbreitung des Virus zu verhindern und sich auf die Zeit nach der Einsperrung vorzubereiten, ist es sehr wichtig, die Lernenden für die Risiken und angemessene Verhaltensweisen zu sensibilisieren. In diesem Zusammenhang unterstützte DVV International Tunesien seine Partner bei der Durchführung lokaler Sensibilisierungskampagnen unter Lernenden. Die Informationen über COVID-19, die den Lernenden zur Verfügung gestellt werden, tragen dazu bei, ihre Ängste und Befürchtungen bezüglich der Krankheit zu reduzieren und ihre Fähigkeit zu stärken, alle sekundären Folgen der Infektion auf ihr Leben zu bewältigen. Die Aufrechterhaltung des sicheren Betriebs der Zentren oder ihre Wiedereröffnung nach der Schließungsphase erfordert die Berücksichtigung vieler Elemente, die bei ordnungsgemäßer Durchführung die öffentliche Gesundheit fördern können.

Entwicklung alternativer Lernlösungen

In Übereinstimmung mit den von der tunesischen Regierung auferlegten Sperrrichtlinien stand DVV International Tunesien vor der Herausforderung, in enger Zusammenarbeit mit seinen Partnern alternative Lösungen zu finden, um die Weiterführung der nicht-formalen Bildungsangebote zu gewährleisten. Zu diesem Zweck hat das Büro die Digitalisierung des Erwachsenenbildungssystems in Angriff genommen, die zur Einführung eines Informationsmanagementsystems für die nicht-formale Bildung auf dem gesamten Staatsgebiet führte. Dies würde den Zugang zu pädagogischen Online-Ressourcen für das Lernen von Ausbilderinnen und Ausbildern und Lernenden in der Erwachsenenbildung ermöglichen.

Darüber hinaus wird derzeit eine Studie zur Identifizierung und Bewertung der Durchführbarkeit von Ausbildungs- oder Unterstützungslösungen durchgeführt, die darauf abzielen, den Zugang gering qualifizierter junger Menschen zur Beschäftigung und/oder zum Unternehmertum in der digitalen Wirtschaft zu fördern. Diese Studie zielt darauf ab, eine Reihe von möglichen digitalen einkommensschaffenden Aktivitäten aufzulisten, an denen sich die Begünstigten des Erwachsenenbildungsprogramms orientieren könnten. Dies würde zu ihrer sozioökonomischen Integration führen.

DVV International Tunesien unterstützt die Partner durch die Bereitstellung von pädagogischen Hilfsmitteln, Computerausrüstung (Tabletts, PCs, mobile Internet-Netzwerke, usw.), um den täglichen Kontakt mit den Ausbilder*innen und Manager*innen, die am Online-Ausbildungsprogramm beteiligt sind, aufrechtzuerhalten und den Austausch zwischen ihnen zu erleichtern.

COVID-19, ein Katalysator für Online-Erwachsenen- und Weiterbildung

Das tunesische Institut für Bildung und Weiterbildung (Institut Supérieure de l'Education et de la Formation Continue - ISEFC) und DVV International Tunesien nehmen ihre Aktivitäten zugunsten der Ausbilderinnen und Ausbilder wieder auf und organisieren zwei Online-Schulungen.

Um die Aktivitäten und Aktionen für erwachsene Lernende weiterhin zu gewährleisten, hat DVV International die durch die COVID-19-Pandemie verursachten Einschränkungen genutzt, um alternative Lösungen zu entwickeln; wie zum Beispiel Online-Schulungen für Ausbilderinnen und Ausbilder  in der Erwachsenenbildung. Die ISEFC, einer der Partner von DVV International Tunesien, hat am 27. Mai ihre erste Online-Schulung gestartet. Das Programm fällt in die Zuständigkeit des Sozialministeriums. Die erste Sitzung fand  vom 27. bis 30. Mai statt und trug zur Ausbildung von 120 Trainerinnen und Trainern bei. Die Ausbildung folgte Modulen, die an ihre Bedürfnisse angepasst waren.

Diese Module beziehen sich insbesondere auf den andragogischen Ansatz in der Fachdidaktik und -semiotik und basieren auf einer doppelten Reflexion. Dieser Ansatz ermöglicht es den Ausbilderinnen und Ausbildern, die Verantwortung und den Willen des Lernenden zu erkennen, um ihr/sein eigenen Lernprozess zu lenken. Auf diese Weise bietet das E-Training die Möglichkeit, konstruktives Feedback zu erhalten und Lektionen und Informationen entsprechend den Bedürfnissen des Lernenden zu überarbeiten. Neben der Förderung von Alphabetisierungsprogrammen zielt dieser Ausbildungszyklus darauf ab, das pädagogische Wissen der Ausbilderinnen und Ausbilder zu vertiefen, damit die Lernenden einzelne Fähigkeiten entwickeln können und somit ein qualitativ hochwertiges professionelles Lernen ermöglicht wird.

Weitere Module werden in den Online-Sitzungen behandelt, darunter die Analyse der beruflichen Praxis sowie die Motivationsdynamik in der Erwachsenenbildung und im Konfliktmanagement. Sie werden den Ausbilderinnen und Ausbildern auch dabei helfen, die verschiedenen kognitiven und sozialen Merkmale erwachsener Lernenden zu erforschen und zu ermitteln, um in der Konzeption von pädagogischen Materialien geeignete Inhalte und Kursstrukturen zu entwickeln. Diese Arbeitsdokumente werden dann von der Ausbilderin/dem Ausbilder verwendet, um den intrinsischen Impuls des Lernenden zu erkennen und eine Reflexion anzuregen. Auf diese Online-Schulung wird im September 2020 eine zweite Präsenzschulung folgen.

Seit der Unterzeichnung des Rahmenabkommens mit dem Sozialministerium am 4. Juli 2019 hat DVV International Tunesien zur Förderung der Erwachsenenbildung und der nicht-formalen Bildung beigetragen, indem die Menschen in eine nachhaltige, sozioökonomische und kulturelle Entwicklung einbezogen wurden; mit dem Ziel, Analphabetismus, Instabilität und Armut zu bekämpfen.