Wir haben keine Erwachsenenbildung,... aber wir haben Angebote der Erwachsenenbildung! Vietnam und der Post-CONFINTEA-Prozess

Der Aktionsrahmen von Marrakesch (MFA), das Ergebnisdokument der CONFINTEA VII, hat der ALE-Gemeinschaft zweifelsohne Wesentliches zu bieten: die Anerkennung von ALE als integraler Bestandteil des Lebenslangen Lernens, die Forderung nach einem umfassenden ALE-System und die hervorgehobene Bedeutung lokaler ALE-Institutionen wie z.B. der kommunalen Lernzentren (CLC). Aber was konkret bedeutet das für die Mitgliedsländer der UNESCO?

Gruppenfoto von Erwachsenenbildungsexpert*innen vor Flaggen, Ho Chi Minh City

Expert*innen für Erwachsenenbildung aus Südostasien kamen am 25. Oktober 2022 in Ho Chi Minh City zusammen. © DVV International

Johann Heilmann, Regionalleiter DVV International Südostasien, bei einer Präsentation auf der Konferenz

Johann Heilmann stellt den CONFINTEA-Prozess vor. ©DVV International

Der Aktionsrahmen von Marrakesch (MFA), das Ergebnisdokument der CONFINTEA VII, hat der ALE-Gemeinschaft zweifelsohne Wesentliches zu bieten: die Anerkennung von ALE als integraler Bestandteil des Lebenslangen Lernens, die Forderung nach einem umfassenden ALE-System und die hervorgehobene Bedeutung lokaler ALE-Institutionen wie z.B. der kommunalen Lernzentren (CLC). Aber was konkret bedeutet das für die Mitgliedsländer der UNESCO?

SEAMEO CELLL bringt zahlreiche Akteur*innen zusammen

Antworten darauf fand eine gut besuchte Konferenz am 25. Oktober 2022 in Ho-Chi-Minh-Stadt (Vietnam). Diese Tagung wurde vom Zentrum für Lebenslanges Lernen der Organisation der Bildungsminister*innen Südostasiens (SEAMEO CELLL) mit Unterstützung von DVV International durchgeführt. Neben den Teilnehmer*innen aus den gastgebenden Organisationen waren auch Vertreter*innen des Bildungsministeriums, der kommunalen Lernzentren, verschiedener Verbände der Erwachsenenbildung sowie des Vorstandes von SEAMEO CELLL aus mehreren anderen südostasiatischen Ländern anwesend.

Der Regionaldirektor von DVV International für Südostasien und die Vertreter*innen des Focal Point für Vietnams nationale GRALE 5-Studie (Global Report on Adult Learning and Education) eröffneten die Tagung mit Vorträgen über die Ergebnisse der CONFINTEA VII und die aktuelle ALE-Situation in Vietnam. Es folgten kurze Beiträge aus den Nachbarländern über gute ALE-Praktiken und neue Ziele, die infolge der CONFINTEA VII gesetzt wurden.

Erwachsenenbildung in Vietnam   ̶   oder wie sollen wir es nennen?

Auf dieser Grundlage entwickelte sich eine lebhafte und zukunftsorientierte Debatte. Sie nahm eine bemerkenswerte Wendung, als ein Teilnehmer eingestand, dass der Begriff "Erwachsenenbildung" in Vietnam nur selten verwendet wird. Das liegt schlicht daran, dass es als unangemessen gilt zu sagen, Erwachsene müssten lernen:  Schließlich sind sie keine Kinder. Die Lösung ist jedoch sehr einfach: Der häufig verwendete Begriff "Weiterbildung" deckt weitgehend das ab, was wir allgemein unter Erwachsenenbildung verstehen.

Das vietnamesische Weiterbildungssystem ist in vieler Hinsicht besonders ausgereift. Hervorzuheben sind vor allem die mehr als 10.000 kommunalen Lernzentren, auch wenn einige von ihnen nicht voll funktionsfähig sind. Über diese und andere Herausforderungen wurde am Nachmittag auf der Konferenz offen gesprochen. Die anstehenden Aufgaben wurden in Bezug auf den neuen Spielraum diskutiert, der sich mit der Makrofinanzhilfe eröffnen könnte. Einerseits herrschte Einvernehmen darüber, dass es schon immer Teil der vietnamesischen Kultur war, ständig zu lernen. Dieses Anliegen ist also viel älter als die Bestrebungen der Regierung, Vietnam zu einer "lernenden Gesellschaft" zu machen. Andererseits wurde auch dringender Verbesserungsbedarf angesprochen. Einige Teilnehmer*innen verlangten ein Qualitätssicherungssystem. Darüber hinaus müssen RVA-Mechanismen (Recognition-Validation-Accreditation) eingeführt werden, um die Menschen im (informellen/nicht-formalen) Lernen zu bestärken. Und schließlich herrschte Einigkeit darüber, dass die Finanzierung von ALE (oder Weiterbildung) durch das vietnamesische Bildungsministerium zwar begrenzt bleiben wird, dafür aber auch andere Ministerien dazu motiviert werden könnten, in die Erwachsenenbildung zu investieren. All diese Bemühungen könnten zum weiteren Ausbau des vietnamesischen Erwachsenenbildungssystems beitragen. Dass das MFA  ein eigenes ALE-System verlangt, wurde von allen Teilnehmer*innen begrüßt.

Der Weg in die Zukunft: Lebenslanges Lernen in Vietnam

Gleich zu Beginn der neuen Übergangsperiode zwischen zwei CONFINTEAs hat sich Vietnam bereits ehrgeizige Ziele gesetzt: Bis spätestens 2025 soll ein Gesetz über Lebenslanges Lernen verabschiedet werden. Dieses Gesetz wird von allen Akteur*innen des Bildungssektors gewünscht  ̶  und noch mehr von denen, die in der Erwachsenenbildung tätig sind.. An der Ausarbeitung dieses Gesetzes werden nicht nur staatliche Stellen beteiligt sein, sondern auch andere wichtige Akteur*innn wie die Vietnam Association for Learning Promotion (VALP) und die Vietnam Association for Education for ALL (VAEFA). SEAMEO CELLL wird in naher Zukunft alle Empfehlungen der Konferenz mit dem Ministerium weiter erörtern und ist zuversichtlich, dabei auf offene Ohren zu treffen.

 

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