Austausch über Grenzen – Peer-Learning eröffnet neue Perspektiven im südlichen Afrika

Mehrere Menschen sitzen auf Stühlen in einem Raum. Eine Frau steht in der Raummitte und scheint zu erzählen. An der Wand hinter ihr befinden sich aufgehängte KLeidungsstücke.
Während der Studienreise tauschen sich die Gäste aus Mozambique mit malawischen Kolleg*innen im Community Learning Centre Mononga aus

Auf Einladung von DVV International tauschten sich während einer Studienreise nach Malawi Erwachsenenbildner*innen aus Mosambik mit Kolleg*innen vor Ort über erfolgreiche Community Learning Centres aus. Der grenzüberschreitende Dialog zeigte, wie viel Potenzial in Peer-Learning und regionaler Zusammenarbeit steckt.

Die beiden Projektländer von DVV International im südlichen Afrika, Malawi und Mosambik, besitzen viele Gemeinsamkeiten. Sie sind auf einem ähnlichen Entwicklungsniveau, in weiten Teilen ländlich geprägt, und im Bereich der Erwachsenenbildung besteht ein hoher Bedarf an nachholender Grundbildung, Alphabetisierung und einfachen beruflichen Fertigkeiten. Sie unterscheiden sich jedoch in der Ausprägung ihrer Erwachsenenbildungs-Landschaft in vielerlei Hinsicht. In Malawi sind beispielsweise die Strukturen der Community Learning Centres (CLC), in denen Trainings zur Einkommensgenerierung für ehemalige Teilnehmer von Alphabetisierungskursen, aber auch integrierte Erwachsenenbildungsprogramme angeboten werden, deutlich weiter entwickelt, während Mosambik inhaltliche Stärken im Bereich genau dieser integrierten Programme aufweist. Ein gegenseitiger Austausch liegt da nahe.

Bisher wurde Peer-Learning jedoch durch Sprachbarrieren erschwert: Amtssprache in Malawi ist Englisch, in Mosambik Portugiesisch. Anfang 2026 nahm DVV International in Mosambik jedoch auch die Arbeit in der an Malawi angrenzenden Provinz Tete auf. Der Vorteil hier: In großen Teilen von Tete wird Chichewa gesprochen. Dies ist in Malawi die am weitesten verbreitete Sprache, einer einfachen Verständigung steht also nichts mehr im Wege.

Lernen voneinander und miteinander

Vor diesem Hintergrund organisierte DVV International vom 18. – 22. Mai eine Studienreise für eine mosambikanische Delegation aus der Provinz Tete nach Malawi. Ziel war es, die Strukturen der CLCs in Malawi genauer kennenzulernen und zu erfahren, wie diese lokal verankert und von regionaler und nationaler Seite unterstützt werden. Die mosambikanische Delegation bestand aus 14 Vertreter*innen aus Distrikt- und Provinzebene, die administrativ oder inhaltlich im Bereich der Erwachsenenbildung tätig sind, sowie aus Kolleg*innen des zivilgesellschaftlichen Partners OREMO (Organização Esperança de Moçambique).

In Malawi unterstützt DVV International derzeit sieben CLCs in den Distrikten Ntchisi, Dowa, Mchinji und Ntcheu, zwei weitere befinden sich im Aufbau. Vier dieser CLCs wurden während der Studienreise besucht. Dabei konnten sich die Teilnehmer*innen eingehend mit den jeweiligen CLC-Managementkomitees, mit Lehrpersonal und Schüler*innen austauschen und auch die jeweilige Umgebung in Augenschein nehmen. Besonders eindrucksvoll waren die Begegnungen mit ehemaligen Teilnehmenden, die durch die Kurse eigene kleine Einkommensquellen aufbauen konnten, wie etwa im Bereich Schneiderei. Hocherfreut zeigten sich die Mosambikaner*innen darüber, dass sie in einem CLC in Mchinji erleben konnten, wie eine ausgebildete Maurerin männliche Schüler anleitete. „Es ist sehr wichtig, dass wir geschlechtsspezifische Stereotypen auch in Mosambik durchbrechen. Jede Arbeit sollte für jedes Geschlecht offen sein", bemerkte eine Teilnehmerin.

Abgerundet wurde der Besuch durch einen Empfang in der Deutschen Botschaft in Lilongwe, ein Treffen mit dem Nationalen Zentrum für Alphabetisierung und Erwachsenenbildung (NACLAE) und die Vorstellung des DVV International-Projektportfolios im Regionalbüro. Mit den gewonnenen Erfahrungen können die mosambikanischen Kolleg*innen nun weitere Schritte zur Etablierung von Community Learning Centres angehen – begleitet von künftigem Austausch und weiterer Beratung aus Malawi.