Künstliche Intelligenz (KI) ist das prägende Thema unserer Zeit. Sie verändert die Art und Weise, wie wir leben, arbeiten – und lernen. Aber was bedeutet das konkret für die globale Erwachsenenbildung? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Konferenz, die DVV International und seine Partner Ende 2025 in Laos organisiert haben. Zu den Hauptrednern zählte auch Martin Dougiamas, Gründer des Lernmanagementsystems Moodle und Leiter der dortigen Forschungsabteilung. Im Interview spricht er über Chancen und Risiken künstlicher Intelligenz und die künftige Rolle der Erwachsenenbildung.
In Laos haben Sie über Erwachsenenbildung im Zeitalter von KI diskutiert – was waren Ihre wichtigsten Erkenntnisse?
Das Treffen hat bestätigt, worüber ich schon lange nachdenke. Derzeit gibt es zwei Strömungen, die die Bildungstechnologie prägen: eine kommerzielle Strömung, die von Geschwindigkeit und Profit getrieben ist, und eine menschliche Strömung, die sich auf Verbindung, kritisches Denken, Gerechtigkeit und die Ziele für nachhaltige Entwicklung konzentriert. KI beschleunigt beide Entwicklungen. Wenn sich Erwachsenenbildung nur als „Qualifizierung von Arbeitskräften für den Arbeitsmarkt“ definiert, kämpfen wir einen aussichtslosen Kampf gegen Maschinen, die niemals schlafen. Die Gespräche in Laos haben deutlich gemacht, dass Erwachsenenbildung sich auf die Entwicklung des Menschen in all seinen Facetten konzentrieren muss, nicht nur auf die Vermittlung von Fähigkeiten. In vielen Ländern trifft eine sich rasant entwickelnde KI auf Bildungssysteme, die noch immer stark aufs Auswendiglernen setzen.
Welche Chancen bietet KI für die Erwachsenenbildung?
KI kann den Zugang zu qualitativ hochwertigem Lernen erheblich verbessern, insbesondere für Erwachsene, die durch Zeit, Ort oder Sprache eingeschränkt sind. Sie kann Lernwege personalisieren, Inhalte in lokalen Sprachen generieren, komplexe Materialien zusammenfassen und realistische Simulationen sowie Anleitungen für praktische Fähigkeiten erstellen. Pädagog*innen kann KI bei der Gestaltung von Lernprozessen helfen, aber auch bei Bewertung und Feedback unterstützen – insbesondere bei mühsamen Verwaltungsaufgaben – und ihnen so mehr Raum für die wichtigen menschlichen Aspekte des Lehrens geben. Am spannendsten ist vielleicht das Potenzial von KI, erwachsenen Lernenden dabei zu helfen, metakognitive Fähigkeiten zu entwickeln – also zu lernen, wie man lernt. Das ist die Grundlage für lebenslanges Wachstum. Ich selbst stelle fest, dass die intensive Arbeit mit KI mein eigenes Lernen enorm beschleunigt. Ich lerne jeden Tag so viel dazu!
Was sind die größten Herausforderungen für Erwachsenenbildung in diesem neuen Zeitalter, und wie können wir ihnen begegnen?
Ich sehe drei große Risiken. Erstens: Souveränität. Daten und Kontrolle konzentrieren sich zunehmend in den Händen einiger weniger großer Technologieunternehmen, die in erster Linie nicht unsere Interessen verfolgen. Wir müssen in lokale KI-Infrastrukturen und Open-Source-Lösungen investieren, die mit grüner Energie wie Solarstrom betrieben werden. Zweitens: kognitiver Abbau. Wenn Menschen ihr gesamtes Denken an KI auslagern, riskieren wir, genau jene Fähigkeiten zu schwächen, die Bildung eigentlich fördern soll. Wir brauchen daher eine bewusste, durchdachte Integration von KI, die den Menschen beibringt, wann und wie sie KI einsetzen sollen. Eine KI, die zum Lernen eingesetzt wird, muss sich um das Lernen der/des Einzelnen kümmern, wie es eine Lehrperson tun würde. Drittens: soziale Fragmentierung: Technologie kann Menschen ebenso leicht spalten, wie sie sie zusammenbringen kann. Erwachsenenbildung spielt eine entscheidende Rolle, den Einsatz von KI verantwortungsbewusst zu steuern, um Gemeinschaften und Infrastruktur zu stärken und aufzubauen, anstatt Einzelpersonen zu isolieren.